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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 22

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
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6 deshalb4 von Wichtigkeit, weil sie uns das Auftreten und das Zurücktreten des Problems in dem uns angehenden Geschichisabschnitte verstehen lehTen wird. Ueberdies ist aber von hier aus deutlich, daß sich je nach dem Ueberwiegen der einen oder anderen Voraussetzung verschiedene 'Lösungswege und verschiedene Auffassungen der Frage ergeben müssen, deren Kennzeichnung wir, auf den folgenden Blättern versuchen werden: a) es kann vom Sollen ausgegangen werden und das letzte Ziel, das die Ethik aufstellt, zu der Absicht der letzten Ursache in Beziehung gesetzt werden; b) es können zunächst die Ziele ermittelt werden, die der letzten Ursache bei der Gestaltung des Menschen vorgeschwebt haben mögen. Das ist offenbar nur durch den teleologischen Schluß vom Wert auf die Absicht des Schöpfers möglich. Natürlich wird sich das Bedürfnis ergeben, die auf diesem Wege ermittelten Ziele zu dem Ideal der Ethik in Beziehung zu setzen; c) es kann auch vom Wesen des göttlichen Urgrundes ausgegangen und gefragt werden: was kann Gott — nach der Vor- Stellung, die ich mir von ihm mache — von dem Menschen als Lebensziel erwarten? Kombiniert sich diese Frage lediglich mit der erstgenannten, so kommt es nur zu einer Lehre von der Aufgäbe des Menschen. Erlaubt aber die Anwendung teleologischer Gesichtspunkte auf den Gottesbegriff die Berücksichtigung der Organisation des Menschen, so ergibt sich auch auf diesem Wege eine Zweckbestimmungslehre. Die Bestimmungsfrage bildet also in dem Sinne, wie wir sie auffassen, einen Brennpunkt, der von sehr verschiedenen Teilen der Systeme aus zu einheitlicher Wirkung bestrahlt wird. Wie das Verständnis der Lösungsversuche nur durch Bezugnahme auf die ethischen, naturphilosophischen und religiösen Anschauungen der Denker gelingen kann, so fällt von hier aus Licht auf die Eigenart der Systeme. Wenn der Glaube an einen sittlichen Sinn unseres Lebens die Grundlage für eine Bestimmungslehre bildet, so haben Sokrates und Platon diesen Grundstein gelegt — im Widerspruch zu dem naiv-eudämonistischen Grundzug des griechischen Denkens. Und bereite bei Platon findet sich die ganz stillschweigende Voraussetzung eines einheitlichen Zieles

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