Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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…/2720904-2721045--020-2726515- Visual Library
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5 oder etwa fatalistische Lebensauffassung sich der Formel, daß wir ״zu etwas da seien“, bedient oder nicht. Der Glaube an eine Bestimmung des Menschen im aktiven (und prägnanten) Sinne, also daran, da§ ein bestimmtes — theoretisches oder praktisches — Verhalten uns als letztes Ziel unseres Strebens aufgegeben ist, ist eine besondere Spielart des Glaubens an ein ״Ziel“ unseres Strebens, der überall da auftritt, wo—im Gegensatz zum ethischen Nihilismus —ein Sollen, und zwar ein allgemein menschliches Sollen, anerkannt und dessen Inhalt — im Gegensatz zum naiven Autoritätsglauben — durch Reflexion ermittelt wird. Will man eine solche Lehre vom Lebensziel eine ״Bestimmungslehre“ nennen, so wird man in jedem bedeutenden ethischen System eine Bestimmungslehre finden. Ursprünglich aber geht die Frage ״wozu wir geschaffen sind“ durchaus nicht nur auf unser Sollen schlechtweg; nur in diesem ursprünglichen Sinn soll sie hier gefaßt und zur vollen Deutlichkeit, insbesondere zur Unterscheidung von F i c h t e s bekannter Fragestellung, als Frage nach unserer Zweckbestimmung bezeichnet werden. Sie hat zur Voraussetzung, daß dies Sollen nicht nur aus unserem subjektiven Wi 11 en stammt, also etwa durch die planmäßige Befriedigung unseres Glücksstrebens bedingt ist, sondern den Zielen derjenigen Macht entspricht, der wir unser Dasein und namentlich unsere eigentümliche Beschaffenheit verdanken. Ihre besondere Voraussetzung — außer den allgemeinen Voraus- Setzungen jeder Sollenslehre — ist also die Anerkennung eines zielstrebig vorgestellten Urgrundes für das Dasein und das Sosein des Menschen: in einem System, wie demjenigen Epikurs, ist* natürlich Raum für die Frage nach dem ״Telos“, dem letzten Ziel des nach Glück strebenden Menschen; aber die Frage nach unserer Zweckbestimmung wäre hier unmöglich; Nietzsche hat in seiner letzten Periode zwar nach dem Sinn des Lebens -- und demgemäß dem ״Sinn der Erde“ —, aber nicht nach einer Zweckbestimmung des Menschen fragen können. Ja, es müssen die Ziele dieses metaphysischen Urgrundes uns Menschen durchsichtig und verständlich sein — wenn es nicht nur, wie in der Bibel, zur Anerkennung einer offenbarten Aufgabe, sondern auch zu einer wissenschaftlich erörterten Lehre von unserer Bestimmung kommen soll. Die Erkenntnis, daß jede Zweckbestimmungslehre auf drei Voraussetzungen beruht —.dem Glauben an ein letztes Sollen, an einen metaphysischen Weltgrund und an die Erkennb a r k e i t seiner Ziele — ist für unsere Betrachtung zunächst