Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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…/2720904-2721045--019-2726514- Visual Library
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4 Geisteslebens wichtige geschichtliche Zusammenhänge erkennen läßt, an deren Erforschung dem Altertumsforscher wie dem Judaisten gleich viel gelegen sein muß. Besonders einleuchtend muß sich die Fruchtbarkeit solcher Untersuchungen an der Geschichte einer Frage erkennen lassen, die mit den letzten Problemen der Weltanschauungslehre zusammenhängt, zu denen Griechentum und Judentum, jede Kultur in ihrer Weise, Stellung genommen haben. Von hier aus muß Licht fallen auf die Frage, inwieweit die Formkräfte der Antike im mittelalterlichen Judentum fortwirkten und welche Beeinflussung sie durch das Eigene, was das Judentum zu geben hatte, erfahren haben. Unter diesem Gesichtspunkt versuche ich die Geschichte einer wichtigen Frage der Lebensanschauung durch den antiken und den jüdisch-mittelalterlichen Kulturkreis hindurch zu verfolgen, die von den Altertumsforschern nur zweimal gestreift1, von den Darstellern des jüdischen Mittelalters noch nicht behandelt worden ist. Die Arbeit ist als G a n z e s gedacht und so geschrieben, daß sie als Ganzes von den Erforschern beider Gebiete gelesen und geprüft werden kann. Denn wie der zweite Hauptteil auf der im ersten versuchten Darstellung der wichtigsten antiken Systeme beruht, so möchte der Versuch, Bachja zur Hermetik, Gabirol zu PorphyrioS in Beziehung zu setzen und Maimunis Verhältnis zu Aristoteles genauer zu fassen, auch durch den Altertumsforscher beurteilt werden. Die grundsätzlichen Schlußbemerkungen berühren Anliegen beider Forschungsgebiete. Sie werden vielleicht durch die Geschichte anderer Fragen, die ich an gleicher Stelle darzustellen hoffe, eine Weiterführung erfahren. Indessen schemt zunächst das Problem der ״Zweckbestimmung des Menschen“ einer grundsätzlichen Betrachtung zu bedürfen. Die ״Bestimmung“ eines Wesens kann zunächst passiv verstanden werden. So sagt man, das Tier sei zum Dienste des Menschen ״bestimmt“; der Mensch ist nach Goethe (wie schon nach Epiktet Diatr. II 10, 6) ״zum Leide da“. Aber eine Untersuchung der Bestimmungslehre in diesem passiven Sinne lohnt nicht, da es nichts verschlägt, ob eine optimistische, pessimistische 1 Vgl. O. J a h n zu Persius III 66 ff. ־, N 0 r d e n , Agnostos Theos 102 ff., 390.