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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 105

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 105)
Language
German
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91 seinem Sein und Tun nach Normen, die diese Stellungnahme leitet und selbst evident sind, vollzieht sich in der sittlichen Beurteilung, sondern mit den Gefühlen und Motiven unseres Handelns verbinden sich Affekte der Billigung und Mißbilligung, die nur in verallgemein ernder Weise zur Abstraktion der Selbstbeurteilung, dem Gewissen, zusammengefaßt werden. Andererseits aber sollen diese imperativen Motive der Selbstbeurieilung weder apriorisch aus einer intuitiven Erkenntnis, noch empirisch aus dem Eudämonismus abzuleiten, sondern die hetero- ׳genetisch entstandenen Imperative der Freiheit sein, die sich aus den Imperativen des Zwanges entwickelt haben. Der höchste Quell der sittlichen Entwicklung aber ist der sittliche Genius, der die Krisen des Weltgewissens durch neue moralische Ideen überwindet, selbst aber nur der Ausdruck des Gesamtgeistes ist. Ist aber schon die Selbstbeurteilung ein Faktum, das ebensowenig wie die Spontaneität ds Denkens aus dem bloßen Fluß der Bewußtseinsinhalte abzuleiten ist, da sie gerade eine Stellungnahme zu diesen Inhalten ist, so ist vollends unbegreiflich, wie aus den Imperativen des Zwanges die Imperative der Freiheit hervorgehen sollen, die ja eben nicht dem Zwange, sondern der Freiheit der eigenen Einsicht entstammen sollen. Hier heißt Heterogonie der Zwecke Umschlag nicht in entgegengeseßte Inhalte der Vorstellungen, sondern in Gegensätzlichkeit der Kräfte, die die Vor- Stellungen bilden. Imperative der Freiheit aber ohne freie Personlichkeit als ihr Träger sind ein Widerspruch in sich selbst. Nun behauptet Wundt weiter, daß nur die Imperative der Freiheit sittliche Imperative seien. Worauf gründet sich diese Behauptung, wenn weder der Apriorismus noch der Utilitarismus die Rechtfertigung für diese Behauptung liefern sollen? Selbst wenn geistige Schöpfungen von autonomen Wert psychisch auf Grund der WundFschen Vorausseßungen möglich wären, wie vermögen wir diesen Wert zu erkennen, wenn der Empirismus mit Recht als Geltungsgrund autonomer Werte abgelehnt wird und auch die intuitive Erkenntnis der sittlichen Werte in Abrede gestellt wird! Und doch behauptet Wundt nicht allein, daß es solche autonomen Werte gebe, sondern charakterisiert sie auch als die Werte der geistigen Kultur, der Menschheitswerte, der Humanität. Neben dem Festhalten an dem Prinzip der Heterogonie der Zwecke als einem mechanistischen Prinzip der Psychologie bestimmt ihn hierzu das Bedenken, daß die intuitive Ethik dem Wandel der sittlichen Ideale und der psychologischen Er-

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