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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 102

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 102)
Language
German
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88 Verschmelzungsprozesses der seelischen Inhalte sein kann? Wo״ her nimmt der Gesamtwille Normen, die nicht blök der Ausdruck eben des gemeinsamen Willens sind, sondern die objektive Werte sein sollen, denen der gemeinsame Wille wie der Wille des Ein״ zelnen sich unterzuordnen hat? Und Wundt hebt ausdrücklich her״ vor, däk diese Normen nicht etwa die Gattungswerte des allgemein Nüklichen sind. Aus der blöken Notwendigkeit des Geschehens führt kein Weg zur Einsicht in ein sein sollendes Ziel des Geschehens, geschweige der Beugung der Notwendigkeit des Geschehens unter die Einsicht der sich selbst bestimmenden Persönlichkeii. Ist die Kultur Autonomie der Freiheit, dann ist diese Autonomie mit einer schlechthin allgemeinen psychischen Kausalität unvereinbar, ln dem Wundfschen Begriff des Gesamtgeistes sollen diese Gegensäke vereint werden. Ueber diesen tiefen Widerspruch der Fundamente seiner Völkerpsychologie und Geschichisphilosophie kann daher auch nicht die geistvolle Behandlung von Einzelfragen hinweghelfen. So können wir seine Skizze der geschichtlichen Formen der Gemein- Schaft durchaus würdigen, solange die biologischen und die mit diesen in Uebereinstimmung stehenden wirtschaftlichen und politisehen Kräfte als Agentien des geschichtlichen Geschehens dargestellt werden, nicht aber wenn als Schlukstein dieser E n t w i c k - 1 u n g Staat und nationale Kultur, schlieklich die Idee einer Menschheitskuliur als Norm und Ziel dieser kausalen Entwicklung sich ergeben sollen. Und ebenso weist Wundt treffend die Unzulänglichkeit einer individualistischen Geschichtsphilosophie nach, die den Wert des geschichtlichen Lebens durch seine Bedeutung für das Wohl und Wehe des Individuums feststellen will. Woher aber nimmt Wundt das Recht, von der objektiven Bedeutung der Kulturgehalte der Geschichte zu sprechen und in ihnen den Sinn der Geschichte zu sehen? Wenn die Geschichte das umfassendste Anwendungsgebiet der psychischen Geseke der Resultanten, Relationen und Kontraste in ihrer Zusammenfassung in dem Prinzip der Heterogonie der Zwecke ist, dann erstickt dieser Verschmelzungsprozek der psychischen Inhalte alle freie schöpferische Aktivität der Persönlichkeit, die nicht der Täter, sondern das Produkt eines unpersönlichen Geschehens ist. Dann mag wohl eine zunehmende Verwicklung des geschichtlichen Geschehens, seiner Inhalte und Produkte festgestellt werden, so wertindifferent aber die Elemente sind, die in den Verschmelzungsprozek eingehen, so unvorhersehbar der Bedeutungswandel ist, dem die Elemente in

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