Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 101)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2720904-2721047--100-2726485
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 :zeniren eine Reihe triebartiger Reaktionen überläßt. Hier klafft in der WundFschen Psychologie der ganze Gegensafe mechanistischer und voluntaristischer Erklärung des psychischen Geschehens unheilbar auf. Grade weil Wundt die psychischen Phänomene so genau in ihrer Eigenart erfaßt, muß er die mechanistische Erklärung der ׳volunlarisiischen unterordnen und damit wider Willen selbst zum Kritiker einer mechanistischen Psychologie werden. Der gleiche Widerspruch zugleich mechanistischer und voluntaristischer Erklärung durchzieht wie Wundt’s Individualpsychologie seine Psychologie des Gesamtgeistes. Hier wird einmal alle Mystik einer außerhalb der Individuen existierenden Volkspersönlichkeit abgelehnt und die Individuen als die alleinigen Träger des Gemeinschaftslebens dargestellt. Auf der Uebereinstimmung der Vorstellungen, Gefühle und Willensrichtungen der Einzelnen, wie diese durch natürliche und geschichtliche Ursachen bedingt ist, beruht die Einheit des Kollektivorganismus des Gesamtgeistes, der in seiner alles individuelle geistige Leben in seiner Entwicklung bestimmenden Macht erfaßt wird. Zugleich aber erhebt sich der Gesamtorganismus über die bloße Tatsache der faktischen Ueberein- Stimmung seiner Glieder im Denken, Fühlen und Wollen zur a u t o - nomen Persönlichkeit einer sich selbst bestimmenden Persönlichkeit, die im Unterschiede vom bloßen Gesamtwillen oder auch der juristischen Person, die Rechissubjekt beliebigen gemeinsamen Willens sein kann, Gesamtpersön- 1 ichkeit ist mit gleicher Objektivität des Handelns, wie die sittliche Einzelpersönlichkeit in der Autonomie sich über den bloßen .Ablauf des Trieblebens zur normativen Regelung des Lebens erhebt. Wir werden in der Kritik der Wundtschen Wertphilosophie auf diesen Umschlag der mechanistischen Entwicklung des Seelischen in die Autonomie des den Wert der Persönlichkeit begründenden Kulturschaffens noch einzugehen haben. Bereits hier aber müssen wir hervorheben, daß in dieser Doppelbedeutung des Gesamtgeistes einmal als Gesamtwillen und dann wieder in einer scharf von diesem unterschiedenen Gesamtpersönlichkeit sich das Bemühen WundFs zeigt, vom Boden einer kausalen Entwicklung des Seelischen den Standpunkt des philosophischen Kulturidealismus zu gewinnen, während Spencer die Kultur folgerichtig den biologischen Zwecken unterordnet. Aber zugleich zeigt sich eben, wie die mechanistische Seelentheorie die Voraussetzungen aufhebt, auf denen eine Autonomie der Kultur aufbauen muß. Wie kann der Gesamtgeist etwas anderes als Gesamtwille sein, wenn er ebenso wie die Einzel- ,Persönlichkeit doch nichts anderes als das Produkt des kausalen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.