Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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86 keitsgefühle, die alle Bewußtseinsinhalte begleiten, abstraktiv/von den Bewußtseinsinhalten abzulösen und in der Einheit des W i 11 e n s die alle Verbindungen des seelischen Geschehens bewirkende Ursache anzuerkennen. So sind es auf der niederen Stufe des seelischen Geschehens die Triebe, die die assoziativen Verbindungen der Vorstellungen schaffen und auf der höheren Stufe der auf logische Analyse oder auf künstlerische Gliederung der Allgemeinvorstellungen gerichtete Wille, der in den apperzeptiven Tätigkeiten des Denkens und der Phantasie sich betätigt. Mit welchem Recht aber wird einem abstraktiv von den Bewußtseins- Inhalten gewonnenen Begriff der allgemeinen Tätigkeitsg e f ü h 1 e eine solche Bedeutung für die kausale Erklärung der Phänomene zugemessen, und aus einem Abstraktum eine empirische Ursache gemacht, dazu eine Ursache, die sich aller mechanischen Kausalität entgegensetzt und diese in ihren Dienst nimmt? Ist das nicht ein voller Umschlag aus der empirischmechanistischen in die verpönte abstrakt teleologische Erklärungsart? Und dieser Widerspruch wiederholt sich mit noch größerer Schärfe, wenn einerseits die Prinzipien der geistigen Kausalität als zwar von der allgemeinen Naturkausalität inhaltlich verschieden, aber doch als Prinzipien mechanischer Kausalität in den Prinzipien der ״schöpferischen Synthese“ und ״Heterogonie der Zwecke“ erfaßt werden und neben diese Prinzipien die g a r n i c h t mehr mechanischen Prinzipien der ״beziehenden Analyse“, in der die Kraft der selbständigen Reflexion stecht, und der ״Verstärkung der Gegensäfee“, also die Eigengesefelichkeii des Fühlens und Wollens, Hegels Dialektik des Geistes in etwas farbloser Fassung treten. Und nun wird vollends die Willkürhandlung als an ein Zentralbewußtsein gebunden erklärt, das das gesamte assoziative und apperzeptive Geschehen nicht bloß abstraktiv umfaßt, sondern im Sinne einer vitalen teleologisch wirkenden Ursache bestimmt! Ja selbst die Reflexe sollen nicht mehr komplizierte Produkte der mechanischen Veränderungen, sondern nur mechanisierte geistige Tätigkeiten sein, die nur darum zweckmäßig sich betätigen können, weil sie ursprünglich aus zweckbestimmten Willenshandlungen hervorgegangen sind. Und zugleich soll wieder das Zentralbewußtsein Produkt der mechanischen Entwicklung sein, indem bei den Tieren entsprechend der physiologischen Entwichlung des Nervensystems ein Zentralbewußisein entsteht, das sich zu individuellem Selbstbewußtsein erhebt und den niederen Nerven-