Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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81 ^vicklungsgeschichte der Menschheit die mythologische Apperzeption. Diese mythologische Apperzeption, die in der Allbeseelung (Animalismus) ihren Ausdruck findet, erhielt ihre frühesten und stärksten Reize durch die Tatsachen des Todes und des Traumes. Sie führten zur Vorstellung einer vom Körper sich trennenden Seele, die wieder in merkwürdigsten Verwandlungen in Seelentiere eingeht oder als umherschwärmende Geister zu schaden und zu nüfeen vermögen. Seher und Zauberer haben die Fähigkeit, bei Lebzeiten der Haft des Körpers zu entrinnen und in Verkehr mit den Seelen zu treten, deren Wirkungen durch Gegen- Wirkungen aufzuheben. Die Magie der Zauberbräuche ist der Kultus des Animismus des Seelenglaubens. Als Dämonen ergreifen die toten Geister Besife von dem Fetisch, in den sie eingehen. Der F e t i s c h ist ein von dämonischer Kraft beseeltes Objekt, gegen das Amulette und Talismanen zu schüfeen vermögen. Der Fetisch schüfet aber auch die Gemeinschaft bei Krieg, Jagd, der Bebauung des Bodens, wenn sein Kultus geübt wird, der in Musik und mimischen Tänzen besteht. Aus Animismus und Fetischismus als den vorreligiösen Formen des Mythos entwickelt sich die Religion, indem die weitere mythologische Entwicklung zum Totemismus, zur Verehrung von Tieren als gemeinsamer Ahnen von Menschen und Tieren und zum Kultus des Tolemlieres mit seinen Riten führt. Die Vorstellung des Tabu, des Unverlefelichen,. des Heiligen und ihr Gegensafe, das Prophane, das Unreine, treten hervor. Der Kultus wird Selbstzweck der Verehrung des Totem und löst sich aus dem Bann des Zauberkultus. Der Ahnenkultus verdrängt den Tierkultus und wird seinerseits zur Heroenverehrung gesteigert. Aus der Vorstellung des Heros entsteht die Göttervorstellung, die sich mit zunehmender Differenzierung der Kultur zu den Kulturgötiern des Staates und des gesellschaftlichen Lebens individualisiert. Die Götter werden Geister, der ihnen geweihte Kult symbolischer, sittliche Vor- Stellungen verbinden sich mit den religiösen. Der Polytheismus wird zum Monotheismus, der Eine Gott unendlich und allmächtig, bis die Idee des Uebersinnlichen die reifste Vorstellungsform des religiösen Glaubens wird. Als Ziel der Jahrtausende währenden Entwicklung ergibt sich ״Religion als das Gefühl der Zugehörigkeit des Menschen und der ihn umgebenden Welt, zu einer übersinnlichen Welt, in der er sich die Ideale verwirklich! denkt, die ihm als höchste Ziele menschlichen Sirebens erscheinen.“ (Völkerpsychologie, Mythus und Religion 111 S. 522.)