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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 94

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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80 spiegelt, wie sie im Lichte der durch die Anschauung im künstlerischen Genius erweckten Ideen erscheint. So wird durch die Kunst jene einseitige Auffassung durchb r o c h e n, die in den abstrakt-logischen Formen deshalb das eigentliche Wesen der Dinge sieht, weil sie die lefeten Endpunkte unserer verstandesmäfeig zergliedernden Betrachtung der Dinge sind. Eben weil sie dies sind, liegen sie in der Tat von der Wirklichkeit am weitesten entfernt, und ihnen gegenüber erstrebt nun die künstlerische Tätigkeit das Ziel, an Stelle jener abstrahierenden Vergleichung und Ordnung der Begriffe die volle Wirklichkeit wieder herzustellen. Doch nicht in ihrer rohen ursprünglichen Form will sie diese wieder erstehen lassen, sondern geläutert durch eine denkende Auffassung, die jene Welt der Begriffe und Ideen überall in die Wirklichkeit hineinträgt. In dieser innigen Durchdringung von Denken und Anschauung besteht die ideale Wirklichkeit, die den Gegenständen der ästhetischen Anschauung zukommt. So ist der Gegenstand der ästhetischen Anschauung Wirklichkeit und Idee zugleich. Die Gegensäfee des ästhetischen Realismus und des ästhetischen Idealismus vereinigen sich zu der von beiden anzuerkennenden Wahrheit, dafe die geistige Wiedergeburt der Idee in der ästhetischen Anschauung nur deshalb möglich ist, weil sie, wenn auch von der gemeinen Betrachtung unerkannt, selbst schon in dem Gegenstände enthalten ist. (Syst. d. Philos. II S. 263.) 4. Religion. Eine Erkenntnis der Religion kann diese nicht auf einen angeborenen religiösen Trieb zurückführen wollen, ohne einer Tautologie zum Opfer zu fallen, sondern es gilt der Entstehung der Religion nachzugehen. Hier nun weist der Vorstellungsi n h a 11 aller Religionen auf Gegenstände, die einer übersinnlichen Welt angehören, von denen der Mensch Schüfe und Hilfe erwartet, zu denen er als höheren, mächtigen, idealen Wesen in Hoffnung, Furcht und Verehrung auf blicht, denen er einen Kultus weiht, um von ihnen die Lebensgüter zu erhalten. Das Uebersinnliche, die Wirklichkeit Ueberschreitende dieser religiösen Vorstellungsgebilde weist sie in eine Reihe mit den Vorstellungen des Mythos. Die Entwicklungsgeschichte des Mythos führt zu dem Punkte, wo aus dem Mythos die Religion entsteht. Nicht aus der Neugierde des Erkenntnisstrebens ist der Mythos entstanden, sondern die affektvolle Erregung hat ihn geschaffen. Wie ein Kind sein Fühlen und Wollen in alle Gegenstände seiner Umwelt projiziert und diese belebt, so steht am Anfänge der Ent-

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