Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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78 erregenden Eindrücken der niederen Sinne kein anderer Grund angegeben ist als der, daß man eben nicht Lustgefühle, die aus einfachen Empfindungen entspringen, sondern erst solche, die auf gefallenden Verhältnissen beruhen, als ästhetische gelten läßt. Da nun in jeder Anschauung Form und Stoff zugleich enthalten sind, so sieht sich die formalistische Theorie genötigt, einzugestehen, daß die ästhetische Formwirkung nie für sich allein vorkomme, sondern stets mit anderweitigen intellektuellen, religiösen, sittliehen Bestandteilen verbunden sei. Eben deshalb seien aber diese Elemente von der eigentlich ästhetischen Wirkung auszuschalien. Zwei Gründe machen, jedoch diese Trennung unmöglich. Erstens sind gerade jene nicht bloß ästhetischen Bestandteile selbst ästhetisch die wirksamsten. Ihres stofflichen Inhaltes entkleidet, bleibt die ästhetische Form nur noch fähig, ein dürftiges Wohlgefallen zu erregen, das über die Höhe einfacher sinnlicher Lustgefühle kaum sich erhebt. Zweitens geht der ästhetischen Form selbst mit jenem heterogenen Inhalt immer zugleich das verloren, was ihrer Wirkung Bedeutung verleiht. Denn nie ist es die Form als solche, die bei der höheren Art des ästhetischen Eindrucks gefällt; wohl aber ist es die vollkommene Angemessenheit der Form an den Inhalt, welche die reine Betrachtung benötigt, bei dem Gegenstand befriedigt zu verweilen. Es ist der ganze Gegenstand, nach Form und Stoff, auf den sich die ästhetische Anschauung bezieht. (Syst. d. Philos. II S. 255.) Den vollen Gegensafe zu der sensualistischen und formalistischen Theorie bildet die logische Theorie'. Betrachtet jene das Aesthetische lediglich als ein sinnlich Angenehmes höherer Stufe, mit dem sich erst sekundär anderweitige geistige Inhalte verbinden, so ist es für diese ein Vernunftsgemäfees, von dem begriffsmäßigen Denken nur darin abweichend, daß es den logisdien Inhalt der Gedanken in sinnliche Hüllen kleidet und so ihn unmittelbar .nicht dem Verstände, sondern der Anschauung nahebringt. Für diese Auffassung bildet die rein logische, also begriffsmäßige Form überall die höchste Stufe, die ein geistiger Inhalt erreichen kann. Die Einkleidung des Logischen in die sinnliehe Anschauung bedeutet ihr däher zugleich ein Logisches niederer Stufe, ein Denken in Anschauungen, das sich erst zur reinen Höhe begrifflicher Klarheit emporringen soll, oder auch ein ״unbewußtes logisches Denken“, dem als seine Vollendung das bewußte logische Denken gegenübergestellt wird. Dies die logischen Theorien des Schönen von Baumgarten bis Hegel. Doch Kant sah bereits ein, daß hierdurch nicht einmal die subjektive Beschaffenheit der