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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 87

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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73 gegangen, aber sie sind nicht oder doch höchstens in gewissen lebten Ausläufern auf Grund irgendwelcher verstandesmäßiger Ueberlegungen oder willkürlich von einzelnen moralischen Gesefegebern ersonnener Gebote entstanden, sondern in einer im allgemeinen stetigen Entwicklung sind sie aus den in jenen vorsittlichen Zuständen vorhandenen allgemein menschlichen Gefühlen und Trieben hervorgegangen. Durch diese natürliche Entstehung aus vorsittlichen Anlagen bildet die sittliche Welt das großartigste Beispiel für die schöpferische Natur des alles geistige Werden beherrschenden Prinzips der Heterogonie der Zwecke. Mit diesem Prinzip verbindet sich dann in dem Kampf verschiedener ethischer Riehhingen das Prinzip der Kontraststeigerung der Gefühle und Triebe. Das Gewissen besteht lediglich in der Verbindung von Gefühlen und Vorstellungen mit Affekten der Billigung und Mißbilligung, durch die jene psychischen Erlebnisse den Charakter der Bevorzugung vor anderen gewinnen, und eben dadurch diesen gegenüber in imperative Motive übergehen. Die nächsten Motive, die mit imperativen Motiven verbunden das Bewußtsein zu Handlungen antreiben, wirken zwangsmäßig, nicht mit klarem Bewußtsein der Gründe und Folgen, sondern entweder instinktiv oder selbst unter der unmittelbaren Nachwirkung eines äußeren Befehls. Das sind die Motive, die allem Anschein nach in der generellen Ent- Wicklung des Gewissens ursprünglich vorherrschen, die auch später noch ihre Geltung bewahren; sie sind zugleich diejenigen, in deren Bereich Tradition und Gewohnheit eine wichtige Rolle spielen. Sie mögen die Imperative des Zwanges heißen. Der äußere Zwang ist das niedrigste dieser imperativen Motive. Er wirkt in der Form der Bestrafung unsittlicher Handlungen und der sozialen Nachteile, die diese mit sich führen. Was er zustande bringt, bleibt im günstigsten Falle die niederste Stufe der Sittlichkeit, Legalität der Handlungen und Sittsamkeit des Benehmens. Er verwirklicht die niederste Art des sittlichen Charakters, da ihm nur die negative Eigenschaft zukommt, daß er unsittliche Handlungen meidet. Einen Schritt weiter führt das zweite, meist mit dem vorigen verbundene imperative Motiv, das des inneren Zwanges. Dieser besteh* in all den Einflüssen, die das Vorbild anderer, sowie die eigene durch Erziehung und Beispiel bedingte Uebung und Gewöhnung des Willens äußert. Wegen seiner Bedeutung für die siitliehe Lebensordnung pflegt man diesen inneren Zwang wohl auch geradezu den moralischen Zwang zu nennen, nicht weil er an sich

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