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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 83

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 83)
Language
German
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69 die Aufgabe der Philosophie als der allgemeinen Wissenschaff, die durch die Einzelwissenschafien vermiffelfen allgemeinen Erkenntnisse zu einem widerspruchslosen System zu vereinigen. Enthält die Wahrnehmung das Weltgeschehen zwar in der ganzen qualitativen Mannigfaltigkeit, aber extensiv beschränkt auf die Willens- und Vorstellungsentwicklung einer individuellen Personlichkeit, so enthält die Verstandestätigkeit das Weltgeschehen in einer das individuelle Bewußtsein weit überschreit enden Ausdehnung. Dafür aber ist die Verstandeserkenntnis genötigt, eine bloß formale Ordnung innerlich beziehungslos und darum unveränderlich gedachter Elemente an die Stelle des wirklichen Geschehens treten zu lassen. In den Vernunftideen schafft nun die Philosophie die Versöhnung beider Erkenntnisarten in der Einsicht, daß der kosmische Medianismus nur die äußere Hülle ist, hinter der sich ein geistiges Wirken und Schaffen, ein Streben, Fühlen und Empfinden verbirgt, dem gleichend, das wir in uns selber erleben. ln diesem Sinne, nicht als ruhendes Abbild eines außer ihm existierenden Seins, sondern als mittätige Kraft, als einer der unzähligen Knotenpunkte im Weltlauf, in denen sich das Werden und Wirken der geistigen Welt zu einem stetigen und zweckvollen Zusammenhang des Geschehens verdichtet, ist der menschliche Geist ein wahrer ״Mikrokosmos“, eine kleine Welt, die in ihrer eigenen inneren Entwicklung die Entwicklung des Weltganzen spiegelt. Dieses Ganze selbst kann nicht wahrgenommen noch begriffen, aber es muß doch zu jedem einzelnen Inhalt des Weltgeschehens als eine notwendige Forderung hinzugedachi werden, weil erst in der Idee eines solchen Ganzen die vergänglichen Teilzweckei denen das Einzelne zustrebt, einen bleibenden Wert gewinnen. Die Vernunftideen sind nicht beweisbar, sondern sind die leßten Voraussefeungen der Vernunft selbst, wenn sie den in der Erfahrung beginnenden Fortschritt von Folgen zu Gründen über jede gegebene Grenze hinaus fortsefet, um den Widerspruch zwischen der kosmologischen und der psychologischen Betrachtungsweise aufzulösen. So weist die Philosophie die Vernunftideen als notwendige nach. Mehr zu leisten ist sie weder berufen, noch befähigt. Insbesondere muß sie völlig davon absehen, außer jener Notwendigkeit der Ideen auch die Notwendigkeit einer den Ideen entsprechenden Realität aufzuzeigen. (Syst. d. Philos. I S. 436.) 2. Sittlichkeit. Die Selbstbeurteilung, die das Wesen des sittliehen Bewußtseins bildet, richtet sich nicht auf den äußeren

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