Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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66 die das Denken von jeder ihm sonst verwandten Willentätigkeit scheiden. Während die einfache Funktion der Aufmerksamkeit nur in der mit Tätigkeitsgefühlen verbundenen Erfassung eines Erfahrungsinhaltes besteht, kommt bei jedem Denkakt zu diesem Vorgang noch der weitere einer Beziehung verschiedener Bestandteile aufeinander hinzu. Die Aufmerksamkeit ist also eine Vorbedingung des Denkens, und Denken und Aufmerksamkeit sind Funktionen gleicher Art, aber verschiedener Stufe. Bei dem Denken wird die Aufmerksamkeit mehreren Inhalten zugewandt, die zugleich zueinander in Beziehung geseßt werden. Das Denken ist daher beziehende Tätigkeit. In dieser Eigenschaft betätigt es sich an allen Erfahrungsinhalten, an Gefühlen so gut wie an Vorstellungen. Doch bietet die auf äußere Gegenstände und Vorgänge bezogene Vorsiellungsseite der unmittelbaren Erfahrung das Material, an dem sich das Denken vorzugsweise entwickelt hat und1 das für die klare Scheidung der Formen des Denkens malgebend geworden ist. (Syst. d. Philos. I S. 32.) Hiermit ist zugleich das Verhältnis der Assoziationen, die als solche unwillkürliche Handlungen sind, zu den Willkürliehen Denkakten angedeutet. Der Mechanismus der Assoziationen ist einerseits die vorbereitende Werkstätte des Denkens: er macht diesem die von ihm verwertbaren Beziehungen verfügbar, indem der willkürlich fixierte Zweck des Gedankenlaufs den diesem Zweck entsprechenden assoziativen Beziehungen den Vorrang vor anderen gibt. Andererseits ist die Assoziation die Bewahrerin der Erwerbungen und Ergebnisse des Denkens, in denen alle die Be- Ziehungen, die durch dieses entstanden sind, in Assoziationen übergehen und als solche dem Denken zu künftigem Gebrauche bereifliegen. So ist das Denken subjektive selbstbewußte und beziehende Tätigkeit. Die sinnliche Anschauung bietet reichlichen Anlaß, komplexe Vorstellungen in ihre Elemente zu zerlegen und wieder zu verbinden. Alles Denken ist daher ursprünglich zerlegende Tätigkeit, zu der die verbindende Tätigkeit hinzutritt. B e g r i f f ist jeder Denkinhalt, in dem Vorstellungen durch das beziehende Denken vereint sind. Die Urteilsformen bezeichnen die verschiedenen Formen der beziehenden Tätigkeit, wie etwa das Identitätsurteil, Subsumtionsurteil, koordinierendes oder disjunktives Urteil und das Abhängigkeitsurteil, die zueinander wieder in logischen Beziehungen stehen. Durch das Schließen werden nicht neue Formen der Beziehung hergestellt. Der einzige Schritt, den es über das Urteil hinaus tut, besteht darin, daß es nicht einzelne Vorstellungen