Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
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65 f) Philosophie der Werte. 1. Wissenschaft. Denken ist subjektive Tätigkeit, kein ruhendes Ding, sondern immerwährendes Geschehen, ist aber zugleich eigenstes Selbsterlebnis. Doch ist das Denken nicht die einzige Tatsache, die uns mit diesem Merkmale eigensten inneren Erlebens entgegentritt. Unser Vorstellen, Fühlen, Wollen sind nicht minder subjektive Tätigkeiten. Dennoch sind sie nicht etwa dem Denken gieichgeordnete Vorgänge, sondern sie sind Bestandteile, aus denen alles Denken sich aufbaut. Kein Denken ohne Vorstellungsinhalt, kein Vorstellungsinhalt ohne Gefühlserregung, keine Gefühlserregung ohne Willensrichtung. Und nicht etwa bloß gehen jene Vorgänge in jede Gedankentätigkeit ein, diese enthält auch schlechterdings nichts, was sich nicht in sie auflösen liege. Kein besonderes Geschehen neben jenen anderen Erlebnissen ist also das Denken, sondern seine ganze Eigentümlichkeit kann nur auf der Art und Weise beruhen, wie sich in ihm die allgemeinen Elemente des Bewußtseins verbinden. (Syst. d. Philos. I S. 28.) In der Tat ist aber auch dies streng genommen ein unzutreffender Ausdruck, wenn wir von einer Verbindung der Elcmente reden. Könnte doch der Anschein entstehen, als wären die Elemente zuerst in ihrer Isolierung vorhanden, oder als bestünden sie fortan nebeneinander, äußerlich verbunden, aber innerlich verschieden, auf verschiedene in uns ruhende geistige Kräfte hinweisend. Die Wahrheit ist, daß jene Elemente ein an sich untrennbares Ganzes bilden, und daß erst unsere Abstraktion che Zerlegung ausführt. Jeder Denkakt besteht aus gewissen Vorstellungen, die teils einzeln, teils in ihren Verbindungen zugleich Gefühle enthalten. Außerdem ist aber jedes Denken ein W o 11 e n. Spezifisch für den Willensakt sind jene Gefühle, die die Handlung selbst und ihren unmittelbaren Erfolg begleiten, und deren Zusammenhang das ausmacht, was wir unser Ich nennen. Dieses Ich ist daher nichts anderes, als die Verbindung der fortwährend sich wiederholenden Tätigkeitsgefühle mit schwankenden, nur in einzelnen ihrer Bestandteile, namentlich derer, die sich auf den eigenen Körper beziehen, relativ gleichförmig wiederkehrenden Empfindungen und Vorstellungen. Infolge dieser Beziehung auf das wollende Ich ist demnach alles Denken selbstbewußte Tätigkeit. (Syst. d. Philos. I S. 31.) Ist aber jeder Willensvorgang in ähnlichem Sinne selbstbewußt, so bietet der Vorstellungsinhalt des Denkens Eigenschaften,