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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 78

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 78)
Language
German
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IRI
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64 ihnen als den Lebensäußerungen der sie hervorbringenden Volksgeisier zukommt. (Syst. d. Philos. II S. 220.) Hiermit ist die allgemeine Frage nach der Bedeutung der Geschichte beantwortet. Alles was überhaupt einen Bestandteil des geschichtlichen Lebens bildet, unterliegt einer zweifachen Wertbestimmung: einer ersten, welche die Dinge rein nach ihrem eignen Inhalt abmißi, ohne Rücksicht auf die weiteren Folgen und Wirkungen, die sie hervorbringen, und einer zweiten, welche sie in diesen Nachwirkungen beurteilt, die wieder allgemein und indfviduell sein können. Die immanenten Kräfte der Geschichte sind die seel ischen Motive, die in den Gemeinschaften wie in den Einzelnen lebendig sind, und die sich stetig und in fortwährender Wechselwirkung mit den äußeren Lebensbedingungen verändern. So bildet die Geschichte das umfassendste Anwendungsgebiet für die alle seelische Entwicklung beherrschenden Geseße der psychischen Resultanten, Relationen und Kontraste und des mit ihnen verbundenen Prinzips der Heterogonie der Zwecke. Dabei ist es wieder das Prinzip der Heterogonie der Zwecke, das die Unmöglichkeit aller jener Bemühungen, den Verlauf der Geschichte überhaupt auf einen bestimmten Zweck zurückzuführen ins hellste Licht seßt. Welche neuen Motive aus einer bestimmten Kombination vorangegangener Bedingungen her- Vorgehen, das kann uns günstigsten Falles verständlich werden, wenn die Entwicklung vollkommen abgeschlossen hinter uns liegt. Audi können wir nach dem Prinzip der Resultanten erwarten, daß innerhalb einer zusammenhängenden Entwicklung die Differenzierung und der Wandel der Motive diese selbst und ihre Erfolge reicher und mannigfaltiger werden lassen. So besteht der Fortschritt der Geschichte schließlich doch nur in der zunehmenden Verwicklung des geschichtlichen Lebens, dessen einzelne Bestandteile gleichwohl auf jeder Stufe durch den im leßten Grunde einheitlichen Charakter des menschliehen Geistes zusammengehalten werden. Für die Wertbeurteilung der einzelnen Inhalte der Geschichte bleibt aber der Grundsaß maßgebend, daß jedes Element sowohl um seiner selbst willen, wie als Bestandteil der Lebenskreise, zu denen es gehört, seinen Wert hat, und daß mit dem Umfang dieser Lebenskreise unter sonst gleichen Bedingungen der Wert eines jeden von ihnen zunimmt. (Syst. d. Philos. II S. 222.)

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