Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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56 in die zugleich die schöpferischen Resultanten eingreifen, entsteht durch die vereinte Wirkung beider Prinzipien das Entwicklungsprinzip der ״Heterogonie der Zwecke“. Dieses Prinzip besagt also, daß der Kausalzusammenhang der seelischen Vorgänge zu Resultanten führt, die weit über die ursprünglich bewußten Ziele hinausreichen. Das Prinzip der ״Verstärkung der Gegensäfee“ bringt die Tatsache zum Ausdruck, dafe die Entwicklung nie stets in einer Richtung verläuft, sondern ein Oszillieren zwischen entgegengesefeten Richtungen gerade dann hervortritt, wenn die Gefühlselemenfe des Geschehens von großer Starke sind. Diese Prinzipien der geistigen Kausalität sind es, auf denen der teleologische Zusammenhang des seelischen Geschehens beruht. Die apperzeptiven Tätigkeiten haben wir als Willkürhandlungen der Seele dargestellt. Die Willkürhandlung ist gebunden an einen Zusammenhang, der die anderen Bewu&tseinsfunktionen zu einer komplexen Resultante vereinigt. Sie ist daher Aeufeerung eines selbstbewußten Individualwillens und fordert als solche ein Zentralbewußtsein; das in der Einheit der Körperorgane sein physisches Analogon hat. Die einfacheWillens-oderTriebhandlung hingegen unterscheidet sich von der bewußtlos vorsichgehenden Reflexhandlung psychologisch nur durch die Momente des Vorstellens und Fühlens, die dem Reflex mangeln. Die metaphysische Annahme, daß die Reflexe Triebhandlüngen eines niederen, ohne Zusammenhang mit dem Zentralbewußtsein stehenden Bewußtseins seien, ist daher mit diesem psychologischen Tatbestand vollkommen vereinbar. Zugleich gibt aber diese Annähme über die Vorgänge der Mechanisierung des Geistigen und der Vergeistigung des Medianischen befriedigende Rechenschaft. In der Entwicklung der psychischen Funktionen ist von beiden Vorgängen der erste wieder der primäre. Denn die Entstehung zweckmäßiger Reflexe, die von einem an dem Zentralbewußtsein nicht teilnehmenden Nervenzentrum ausgehen und dennoch im Sinne der im Zentralbewußtsein zur Vorstellung gelangenden Zwecke erfolgen, sind überhaupt nur unter der Annahme erklärlich, daß sie ursprünglich als zweckbewußte Willenshandlungen entstanden sind, dann aber dem Einflüsse oder wenigtens der fortdauernden Kontrolle des Zentralbewußtseins entzogen wurden. Diese Entlastungen des Zentralbewußtseins und ihre Umkehrungen sind jedoch Vorgänge, die sich nur in beschränktem Umfang während eines indlviduellen Lebens vollziehen können. Dagegen bilden sie zu einem wesentlichen Teil die psychologische Seite der generellen Ent- Wicklung: Der Elementarorganismus kann nur Träger eines einzigen