Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2720904-2721047--067-2726452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
54 scheinend zufällige Erneuerungen früherer plößlich und unvermittelt in das Bewußtsein eintrefen können. Ebenso eignen sich die Gefühle, solange man sie als gesonderte Bestandteile des Bewußtseins ansieht, nicht zur Her- Stellung der Einheit der seelischen Vorgänge. Indem sie nämlieh als subjektive Reaktionen auf den Vorstellungsinhalt des Bewußtseins erscheinen, liegt der leßte Grund für ihre Entstehung in der Willenstätigkeit des Subjekts, wie denn auch in ihren Grundformen der Lust und Unlust, der Erregung und Hemmung, der Spannung und Lösung teils die Hauptrichtungen des Wollens, teils die entscheidenden Momente im Verlauf der Willensvorgänge ihren Ausdruck finden. So bleibt der Wille in seinen inhaltlich verschiedenen, aber in den an den eigentlichen Willenakt gebundenen Tätigkeitsgefühlen qualitativ übereinstimmenden Formen als der einzige Bestandteil des Bewußtseins übrig, der dem gesamten Inhalt des seelischen Geschehens jenen Zusammenhang verleiht, der alle noch so voneinander abweichenden und zeitlich getrennten Vorstellungen und Gefühle zu einer Einheit verbindet. Diese Einheii ist keine erschlossene, sondern unmittelbar erlebte. (System der Philosophie II S. 150.) Da aber die Gefühle und Affekte nur die Bedeutung mehr oder minder entwickelter Willensreaktionen besißen, die durch Vorsteliungsobjekie angeregt werden, so betätigt sich jene Wirksamkeit des Willens in den unter seinem Einfluß entstehenden V e r - bindungen der Vorstellungen. Diese treten nun in zwei Formen auf, die wieder zwei Haupisiufen der Willensentwicklung entsprechen: die niedere dieser Form besteht in Assoziationen, die höhere in den intellektuellen oder apperzeptiven Verbindungen. Neben den übereinstimmenden Vorstellungselementen bilden gewisse konstant bleibende Gefühle wichtige Faktoren bei der Entstehung zusammengeseßier Vorstellungen und besonders bei der Bildung kontinuierlicher Vorstellungsreihen. So ist der Begriff einer Vorstellungsassoziation eine Abstraktion, bei der man die impulsiven Faktoren nicht berücksichtigt. Triebäußerungen sind nach ihrer Vorstellungsseite Assoziationen und Assoziationen nach ihrer impulsiven Seite Triebäußerungen. Das gesamte niedere Seelenleben ist daher als T r i e b 1 e b e n zu bezeichnen. Bei den intellektuellen Vorgängen sind im Gegensaß zu den assoziativen Vorgängen nicht zunächst die Teile gegeben, die sich gegenseitig ins Bewußtsein heben, sondern ist ein Gedankenirihalt zunächst als Ganzes gegeben, um sich dann erst in seine Teile zu zerlegen. Darum ist die logische Grundform des