Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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53 fahrung gleichen. So sind alle Inhalte des Geistes Inhalte des Bewußtseins und ist alles Geistige bewußte geistige Wirksamkeit. Ein ״unbewußter“ Geist ist ein in sich widerspruchsvoller Begriff. Bewußtsein ist aber nicht Selbstbewußtsein. Vielmehr kann sich dieses immer erst auf Grund eines schon vorhandenen Bewußtseins entwickeln, wogegen Bewußtsein nie aus irgendeinem anderen geistigen Inhalte entstehen kann, der nicht selbst schon bewußt wäre. Da somit das Bewußtsein nur ein Gesamtausdruck für irgendwelche geistige Tatsachen ist, so ist es nichts von diesen Tatsachen Verschiedenes, sondern lediglich ein von der besonderen Beschaffenheit derselben abstrahierender Hinweis auf ihr Dasein. Alle metaphysischen Vorstellungen von der Existenz des Bewußtseins, seiner ״Schwelle“ usw. sind bildhafte Vorstellungen und Abstraktionen von den bewußten Tatsachen selbst. Nur die bewußten Tatsachen existieren in ihrer konkreten Mannigfaltigkeit, nicht ihre Abstraktionen. Wohl aber sind die Bewußtseinsinhalte untereinander verschieden in der Klarheit der Vorstellungen und der sie begleitenden Stärke der Gefühle und Empfindungen. Der Klarheitsgrad irgendeines psychischen Inhaltes erscheint als Folge der Bedingungen seiner Entstehung z. B. bei Sinneswahrnehmungen als Folge der Empfindüngsstärke und der sie begleitenden Aufmerksamkeit. Von dem Klarheitsgrad hängt wieder die verschiedene Nachdauer der psychischen Vorgänge ab. Die individuelle Seele ist daher nichts anderes als die Einheit der Zustände eines Einzelbewußtseins. Für die Analyse des Seelenbegriffs ergibt sich daher die Aufgabe der Aufzeigung des die Einheit des Bewußtsein begründenden Zusammenhanges. Nun zerlegt sich der Inhalt eines individuellen Bewußtseins in die einzelnen Akte des Vorstellens, Fühlens, Wollens. Nur durch unsere isolierende und generalisierende Abstraktion werden diese Akte voneinander geschieden und, nachdem diese Scheidung vollzogen ist, den Allgemeinbegriffen Denken, Fühlen, Wollen untergeordnet. In Wirklichkeit gibt es nur Vorgänge, die aus solchen Bestandteilen zusammengesefet sind. Jede Vorstellung ist ein geistiger Inhalt, der von der individuellen Seele zwar durch eigene Tätigkeit hervorgebracht, aber doch mit allen seinen Eigenschaften als ein objektiv gegebener anerkannt wird. Der Verlauf der Vorstellungen bietet nur vereinzelte Zusammenhänge, da bald neue Sinneseindrücke, bald an-