Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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52 immer mit entsprechenden Gliedern der physiologisch-chemischen Reihe verbunden, aber wegen dier Ungleichariigkeii der hier und dort maßgebenden Begriffe ebensowenig aus jenen abzuleiten ist, wie aus ihnen selber die Glieder der physischen Kausalität zu gewinnen sind. Hier bleiben also die physische und psychische Interpretation zwei gesonderte Aufgaben, die niemals zu einer Einheit verbunden werden können. Demzufolge ist die psychische Interpretation auch nur da zulässig, wo psychische Erscheinungen deutlich gegeben sind. Alle Lebensvorgänge, die sich unterhalb dieser Stufe vollziehen, sind daher bloß einer physiologischchemischen Untersuchung zugänglich. Die Entwicklung der Organismen ist wesentlich von der V e r - erbung der Eigenschaften bedingt. So zweifellos aber die tatsächliche Existenz der Vererbung zugegen werden muß, so schwierig ist ihre Erklärung. Doch muß auch hier an der physikalisch-chemischen Erklärung der Vorgänge festgehalten werden. Zwei Hypothesen stehen einander gegenüber: die Evolutionshypothese und die Hypothese der Epigenesis. Während aber die Evolutionshypothese zum Vitalismus neigt, stellt sich die epigenetische Hypothese zur Aufgabeeiner physikalischchemischen Erklärung freundlicher. Dagegen steht die epigenetische Hypothese der Annahme der Vererbung erworbener Eigenschäften als mit ihren Voraussetzungen unvereinbar, ablehnend gegenüber. (Siehe ״Begriff des Lebens“: Der Darwinismus.) Und doch ist es unzweifelhaft, daß Veränderungen, die infolge der Wechselwirkungen innerer Ursachen und äußerer Lebensbedingungen allmählich erworben werden, auf die Nachkommen übergehen. Es wird also daran festzuhalten sein, daß die wichtigste Triebfeder für die Vervollkommnung und Differenzierung der Funktionen in der Ausübung der Funktionen selbst und in der bleibenden Wirkung dieser Uebung besteht. Dagegen haben plößlieh erworbene Eigenschaften für die Nachkommen keine Bedeuiung. Die Entwicklung der Arien ist also aus dem Zusammenwirken Darwinistischer Prinzipien der Auslese im Kampfe ums Dasein und des Lamarckisiischen Prinzips der direkten Anpassung der Funktionen an die Lebensbedingungen und der Vererbung so erworbener Eigenschaften zu erklären. (System der Philosophie II S. 121.) d) I n d i v i d u a 1 - P s y c h o 1 o g i e. Dem Reich des Geistes rechnen wir alle Tatsachen zu, die unserer eigenen inneren Erfahrung angehören, oder durch objektive Merkmale auf Vorgänge hinweisen, die dem Inhalt dieser Er-