Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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m gungen, sondern durch eine dem System immanente kausale Zweckbestimmung erzeugt sei. Beides trifft bei der kosmischen Entwicklung nicht zu. Entstehung und Untergang sind der Vorausseßung nach an äußere Wirkungen geknüpft, und das inmitten dieser Voraussetzungen liegende relative Gleichgewicht nimmt erst dann für uns den Charakter eines zweckmäßigen Zustandes an, wenn wir es willkürlich als einen zu erstrebenden Zweck betrachten. Kurz, die ganze Betrachtungsweise löst sich in eine bloß subjektive Teleologie auf, die uns überall zu Gebote steht, wo irgend ein kausaler Zusammenhang regelmäßig genug ist, daß wir zum Behuf einheitlicher Begriffsbildung den wahrscheinlichen Enderfolg in der Vorstellung vorausnehmen können, um nun alle Bedingungen des Geschehens auf ihn zu beziehen. Der Ausdruck ״Entwicklung“ auf einen solchen Zusammenhang angewandt, mag zur Veranschaulichung nüßlich sein, ist aber nur ein unzutreffendes Bild. (System der Philosophie II S. 68.) Die objektivteleologische Erklärung bleibt also auf den Bereich des geistigen Geschehens eingeschränkt, wo Willenskräfte, die wir in unserem eigenen Bewußtsein als Bedingungen zweckvoller Handlungen antreffen, Ursachen des Geschehens sind. Wo aber die Erscheinungen keine geistige Seite haben, ist die teleologische Betrachtung nur subjektiv. Ueberdies verlangt die Geschlossenheii des Kausalzusammenhanges, daß der ganze Bereich physikalischen Geschehens ohne Eingriff psychischer Faktoren erklärt werde. c) Biologie. Die Lebenserscheinungen bieten überall das Schauspiel eines ununterbrochenen Flusses der Entwicklung, aus dem immer nur begrenzte Zustände als annähernd stabile herausgelöst werden können. Von der Annahme einer absoluten Stabilität konnte daher in der Anwendung auf das individuelle Leben überhaupi niemals die Rede sein. Erst die Gattungen und Arten schienen eine zureichende Dauer zu besitzen, um sie, wenn auch beschränkt, durch die allgemeinen Bedingungen des organischen Lebens auf der Erde überhaupt, dem Stabilitätsprinzip unterwerfen zu können. Selbst in dieser Begrenzung ist jedoch die Annahme einer Konstanz der Arten heute allgemein aufgegeben. Nicht die Konstanz der Arten, sondern die Bedingungen für Entstehung und Entwicklung der Arten bilden das Problem der Biologie. Da nun die Bildung relativ einfacherer Verbindungen der Entstehung des höchst komplexen lebensfähigen Protoplasmamoleküls