Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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48 leilung des Zusammenhanges der Erscheinungen entgegenfritt, objekiive Realität zu? Audi wenn wir fortlaufende Zusammenhänge auf eine unendliche Menge sich durchkreuzender Kausalreihen hinausführen, so folgt daraus noch nicht, dag auch das Universum in allen seinen Teilen in jedem Augenblick zu einem Ganzen verbunden ist. Die Betrachtung des Universums als Einheit ist nur dann gerechtfertigt, wenn alle Teile einem durch das Ganze realisierten objektiven Zweck untergeordnet werden können. Erst die Einheit des Zwecks, dem die Natur untersteht, ermöglicht die Annahme eines durchgängigen kausalen Zusammenhangs der Teile. Dabei braucht dieser Zweck als Vorstellung nirgend wo anders als in unserem den Einheitsgedanken bildenden Geist gelegen sein. Nur muß dieser unser subjektiver Einheitsgedanke Anspruch eiheben, auf die Erscheinungen selbst sich zu stüfeen, auf die empirisdi gegebene Anordnung der Materie und in mit dieser An- Ordnung verbundenen Zweckbeziehung der Erscheinungen. Mögen aber die einzelnen Planeten noch so unwandelbar infolge ihrer Beziehungen zur Sonne und der durch die Allgemeingültigkeil der mechanischen Geseke bedingten Uebereinslimmung ihrer Bewegungen für unsere Betrachtung des Weltgebäudes ein einziges System bilden, dem wir darum einen gemeinsamen Ursprung und ein gemeinsames Ende zuschreiben, an sich unabhängig von dieser unserer logisdien Verbindung der Ersehe!׳־ nungen, bleiben die Massen unseres Sonnensystems einander ebenso fremd, wie es die möglicherweise in anderen Welten lebenden denkenden Wesen uns selbst sind. So lange die geistige Wechselwirkung fehlt, die in der menschlichen Gesellschaft und auf einer unvollkommenen Vorstufe da und dort im Tierreich äußerlich getrennte Individuen zu einer nach gemeinsamen Motiven handelnden Einheit verbindet, bilden die Gegenstände selbst objektiv gerade so wenig eine Einheit, als wenn ein Anlaß zu ihrer logischen Vereinigung überhaupt nicht vorhanden wäre. Sollte aber der Gedanke der Welteinheit nur ein bloßes Erzeugnis formaler Begriffsbildüng sein, so würde offenbar auch der Begriff der E ntwicklung auf das Universum angewandt nur die Bedeutung einer äußeren Analogie besifeen. Zu einer wirklichen Verwandtschaft mit der organischen Entwicklung fehlt es an der Hauptsache: an dem Nachweis, daß jene kosmische Entwicklung von der Wirksamkeit innerer in dem System selbst gelegener Ursachen herrühre, und daß demnach auch die zweckmäßige Form des Zusammenhanges nicht durch einen Zusammenschluß äußerer Bedin-