Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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44 unterstüßt von der Einsicht in die subjektive Bedingtheit aller qualitativen Merkmale des Objekts hat in der modernen Natur׳־ Wissenschaft zur Erneuerung des demokratischen atomistischen Weltbildes geführt. Ueberall ist die ursprünglich qualitative in eine rein quantitative und formale Auffassung übergegangen, nach der jeder Naturvorgang in Bewegungen bestimmter Teile der Materie in bezug auf andere Teile besteht. Die raum-zeitlichen Veränderungen aber müssen selbst in ihren logisdien Zusammenhängen erfaßt werden und so ergibt sich die Forderung der durchgängigen Kausalität des Geschehens, die eine unmittelbare Anwendung des Saßes vom Grunde auf die Beziehungen der Objekte bedeutet. Jeder Teil der Materie ist Ursache für die Bewegung anderer Teile, Die Identität oder Konstanz der Materie und die Kausalität der Bewegung sind die Grundlagen der mathematischen Naturwissenschaft. Sie sind zwingend logische Vorausseßungen einer widerspruchslosen Welterklärung. In der Anwendung dieser Vorausseßungen auf die Interpre׳־ tation der Erscheinungen führt nun die Naturwissenschaft zu verschiedenen Vorstellungen über die Struktur der Materie, je nachdem diese als ein Kontinuum oder aus Atomen bestehend angenommen wird. Die atomistische Hypothese über die Struktur der Materie, gestattet wieder die Annahme einer geometrischen und einer dynamischen Atomistik, je nachdem diese oder jene Vor- Stellung besser zur Erklärung der empirischen Phänomene geeignet erscheint. Es ist wahrscheinlich, daß der Streit von Kontinuitätshypothese und Atomistik, von geometrischer und dynamischer Atomistik dereinst in einer völlig abstrakten Theorie, welche die begrifflichen Bestandteile aller verbindet, seine relative Lösung finden wird. (System der Philosophie II S. 19.) Allen prinzipiellen Feststellungen über die Bewegung der Objekte liegt die aus der unmittelbaren Anschauung entspringende Vorausseßung zugrunde, daß die Bewegung eine Relationsvor- Stellung ist. Jede Lageveränderung zweier Punkte ist eine Wechselseitige. Desgleichen haben alle Urteile über die Größe einer Bewegung einen bloß relativen Wert. Es ergibt sich also die Notwendigkeit eines absoluten Bezugssystems der Bewegung. Die Untersuchung der in unserer Anschauung möglichen relativen Bewegungen hat daher die mathematische Disziplin der Phoronomie zur Vorausseßung. Da sich aber die Phoronomie nur auf m ö g - liehe Bewegungen bezieht, ist die Erkenntnis der wirklichen Bewegungen gleichzeitig von Erfahrung bedingt. Die Dynamik hat