Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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43 Leben, Seele und Wert zu einem Stück anorganischer wertfreier Natur und nivelliert alles qualitativ verschiedene Sein und aHen Sinn des Seins auf die Ebene des mechanischen Seins und Ge׳־ schehens. Hierfür bietet die Spencer‘sehe Philosophie gerade in ihrer Folgerichtigkeit einen aufklärenden Beweis. Damit ist aber zugleich gezeigt, dag die Erkenntnis von Leben, Seele und Wert sich nur dann als solche behaupten kann, wenn sie die erklärenden Tatsachen nicht umdeutend vernichtet, sondern in ihrer Eigenart zu erfassen vermag. 2. Wilhelm WundL1} Der Naturalismus Spencers ist der reine Ausdruck der naturwissenschaftlichen Denkungsart und konnte dies sein, da Spencer in der Anwendung der naturwissenschaftlichen Methode auf die Probleme des Geisteslebens vom englischen Empirismus getragen war, der wieder der theoretische Ausdruck der englischen Zivilisation ist. Wundt hingegen gehört sowohl den Begründern der experimentellen physiologischen Psychologie, also der naturwissenschaftlichen Forschung an, wie er aufs innigste mit den idealistischen Traditionen der deutschen Philosophie verbunden ist. In der Philosophie Wundis also vollzieht sich die prinzipielle Auseinandersegung der natur- und der geisteswissenschaftlichen Meihode der Erkenntnis. Darum kommt seiner Lösung des Problems erhöhte Bedeutung zu. a) Naturphilosophie. Die naturwissenschaftliche Erkenntnis der Welt will eine widerspruchslose Welterklärung sein und kann daher nicht bei der Fülle der ursprünglichen zusammenhangslosen Vorstellungsobjekte stehen bleiben, deren Kommen, Gehen und Qualität sich ständig verändert. Schon das empirische Denken scheidet zufällige und ständige Vorstellungszusammenhänge in dem Dingbegriff. Das Ding der Erfahrung ist aber nicht beharrlich, sondern veränderlich und nur die räumliche Selbständigkeit und die zeitlich-räumliche Stetigkeit seiner Veränderungen veranlagt uns, es als ein Ding zu denken. Das logische Denken fordert aber strenge Identität seines Gegenstandes und führt zur Bildung eines Objektsbegriffs, . in dem alle Veränderung als bloge raum-zeitliche Lageverschiedenheit beharrender Elemente verstanden wird. Dieses logische Motiv 1J Wundt: Physiologische Psychologie; Grundriß der Psychologie; Völkerpsychologie; Sinnliche und übersinnliche Welt; System der Philosophie; Logik.