Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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42 intellektuelle Haltbarkeit hin anzusehen, heißt vollends den Charakter des Religiösen in den Vorstellungen außer acht lassen, bedeutet Identifizierung des religiösen mit dem wissenschaftlichen Bewußtsein. Wenn daher auch Spencer die Religion nicht wie Wissen- Schaft, Sittlichkeit und Kunst biologisch relativiert, so läßt er sie doch in der Idee des Unbekannten verschwinden und verwandelt sie in den Agnostizismus gegenüber dem Absoluten. Damit aber geht Spencer am Wesen der Religion vorüber und bringt sie dem Intellektualismus zum Opfer. Wohl lassen sich die verschiedenen Formen seelischen Lebens mir begrifflich nach den Kulturgebieten Wissenschaft, Sittlichkeit, Kunst, Religion sondern, ist vielmehr der Mensch ihre lebendige Einheit, so daß kein Kulturgebiet nur von einer seelischen Kraft genährt wird, und selbst wissenschaftliches Denken sittliche und sogar künstlerische Kräfte zur Voraussefeung hat. So ist auch die Entwicklung des religiösen Bewußtseins von der Entwicklung des wissenschaftlichen, des sittlichen und künstlerischen Bewußtseins bedingt und untersteht die Religion ihrem Einfluß. Aber doch sind es ursprüngliche Kräfte in der Seele des Menschen, denen ihr Sein und Werden entstammt. So ist die Spencer'sehe Ku.lturphil.a Sophie Ausdrude der Identifizierung von Zivilisations- und Kulturwerten und hierauf beruht auch die alleinige Anerkennung der naturwissenschaftlidien Methode als Grundlage der Wissenschaft, wie die Naturwissen- Schaft Grundlage der Technik ist. Sollen aber Leben, Seele und Wert als Teil der mechanisch erkannten Natur aus ihr abgeleitet werden, so muß die mechanistische Biologie Empfindüng, Trieb, Bewegung, Anpassung, Entwiddung der Arien als mechanische Prozesse auf fassen und ihre Verschiedenheit vom Anorganischen verwischen, die Assoziaiionspsychologie das Denken, Fühlen, Wollen, die Persönlichkeit aus den Ver- Schmelzungen und Zusammenhängen der Empfindungen, Begehrungen, Lust- und Unlustgefühle abzuleiten suchen und die Akte der Persönlichkeit in mechanisches Geschehen umdeuien, die Soziologie, die geschichtliche Entwiddung des Menschen als Naturprozeß der fortschreitenden Anpassung des Intellekts an die Lebensbedingungen der menschlichen Gesellschaft auffassen und die Kulturphilosophie die Kulturwerie als bloße Mittel des Selbsterhaltungswillens der Gattung erklären. Die naturwissenschaftliche Methode angewandt zur Erkenntnis der organischen Natur, der Seele und des Geisteslebens macht notwendig