Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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39 hat. Diese günstigen Vorbedingungen der Entfaltung des sittlichen Bewußtseins dürfen aber nie zu Ursachen des sittlichen Bewußtseins erhoben werden. Das sittliche Bewußtsein hat sich nicht aus der Utilität und Legalität, sondern aus sich selbst entwickelt, es ist eine ursprüngliche Richtung des menschlichen Bewußtseins. Mit dieser Ablehnung der Naturalisierung des sittlichen Bewußtseins ist aber positiv über Inhalt und Form des sittlichen Bewußtseins noch nichts bestimmt, insbesondere mit dem Festhalten an der Unableitbarkeit des sittlichen Bewußtseins nichts über die formale oder gar materiale Apriorität des Sittlichen, seinen intellekiuellen auf Ideenerkenntnis basierenden oder voluniarisiisch in Gefühl und Willensrichtung sich auswirkenden Charakter entschieden. Dies bleibt späteren Ausführungen vorbehalfen. Hier heben wir nur hervor, daß das Leben der Seele nicht reihenartig verläuft, sondern Höhen und Tiefen, Gebundenheit und Freiheit in ihm sind, die nicht auseinander abgeleitet werden können. Die Barbarei einer biologischen Auflösung des Rätsels der Seele tritt vollends in der Spencer'schen Aesihetik hervor. Hat die Ethik Spencers immer noch den Altruismus als den Egoismus überlegen zu entwickeln gesucht, so sind die ästhetischen Gefühle nach Spencer nichts anderes als Befriedigung des beim Ueberschuß der Lebensenergie sich geltend machenden Spieltriebes. Die nicht übermäßige Erregung des sensorisch-motorischen Apparates der Empfindungen und Gefühle gewährt eine Befriedigung, die an sich lustvoll ist, und so steht das Kunstwerk um so höheF, einen je weiteren Umkreis lustvoller und zweckfreier Tätigkeit des Subjekts es auslöst. Und je mehr das Leben vom Krieg zum Frieden, vom Raub zur industriellen Arbeit sich entwickelt, besteht auch die Befriedigung des Subjekts in der Erregung der Sympathie, der Mitfreude. Und je mehr das industrielle System die Kraft des Menschen von übermäßiger Arbeit entlasten und zugleich das Glück der Menschen vermehren wird, um so größer wird der Spielraum sein, den die Kunst im Leben des Menschen als Ausdrude seiner Lebensfreude einnehmen wird. Gegenüber dieser die Kunst zum Vergnügen degradierenden Anschauung, die die Kunst nur als Mittel angenehmer Emotionen wertet, sei auf das Kunstwerk hingewiesen als die geheimnisvolle und unauflösliche Einheit von Leben und Seele. Im unausschöpfliehen Wandel des Lebens seinen bunten Reichtum und seine Schicksalstiefe zu schauen und zu gestalten vom Idyll zur Tragödie, vom flüchtigen Augenblick zum Mysterium, vom Trieb zur Wunsch-