Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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37 sehen Methode als einziger Methode der Forschung der Biologie und Psychologie angemessen ist, haben wir gesehen. Die Er״ kenntnislehre Spencers hat desgleichen seine Unhaltbarkeit er״ wiesen. Wir wenden uns nun der Kritik seiner Ethik zu. Die Ethik Spencers konnte keine andere als eine u t i 1 i ״ taristische sein. Ist Selbsterhaltung der Zweck, dem alles Leben dient, so ist der Mensch dem gleichen Streben unterworfen, demzufolge die Ethik nur das Bewußtsein von den diesem Natur״ zweck dienenden Mitteln. Da das Leben im industriellen System die höchste bisher erreichte Form der Anpassung des menschlichen Lebens an seine Lebensbedingungen bedeutet, ist Erhaltung und Entwicklung dieses Systems die Aufgabe, die seinem Lebensziele, seinem Glücke dient. Der rationelle Utilitarismus Spencers unterscheidet sich vom empirischen Utilitarismus Benthams und Mills nur durch die größere Berücksichtigung des erfahrungs״ gemäß allgemein Nüßlichen an stelle der bloß individuellen und zufälligen Entscheidungen des Einzelnen. Wenn das Individuum auf der heutigen Stufe der sozialen Ent״ Wicklung glaubt nach intuitiven Prinzipien des Sittlichen sein Leben einrichten zu sollen, so ist dieses Gefühl einer objektiven Verpflichtung nur das Produkt der staatlichen, religiösen und sozi״ alen Erziehung, die in Jahrhunderten der Gewöhnung bestimmte Handlungsweisen mit dem Gefühl eines Zwanges assoziert haben, der nun auch ohne äußeren Zwang als innere Nötigung zu der gleichen Handlungsweise treibt. Die Einsicht in diesem Zusammenhang aber wirkt nicht auf das Gefühl der inneren Nötigung zerstörend, da die geforderten Handlungen ja wirklich zum erstrebten Zweck der allgemeinen Glückseligkeit führen und also durch die Freuden, die sie schaffen, sich rechtfertigen und begründen. Haben wir in der Prüfung der SpenceFschen Erkenntnislehre auf die inneren Widersprüche der Theorie hinweisen können, so bildet die SpenceFsche utilitaristische Ethik ein logisch einwand״ freies System der Ethik. Ihre Widerlegung kann daher nur aus dem sittlichen Bewußtsein selbst erfolgen, das seine Ableitung aus dem Egoismus als unwahr empfindet. Wohl ist es denkbar, daß alle sittlichen Werte nur biologische Werte sind, daß sie es aber wirklich seien, bestreiten wir auf Grund unseres sittlichen Bewußt״ seins, das nicht das Leben und sein Glück, sondern den Wert des Guten selbst als objektiven, dem bloßen Leben transzendenten Wert erkennt und bejaht. Die Wahrheit dieser Intuition ist nicht zu be״ weisen, sie trägt sich selbst. Gut und böse und nüßlich und