Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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36 wußtseinsinhalten. Was rechtfertigt diese Annahme? Die Berufung auf die Erfahrung der Uebereinstimmung ihres Handelns mit geplanten Zwecken objektiver Veränderung in den Dingen führt nur bis zur Grenze einer biologischen Zweckmäßigkeit unserer Vor- Stellungen, nicht aber bis zu ihrer Objektivität. So sieht sich Spencer selbst zur Einschränkung genötigt, daß der Realitätswert unserer Vorstellungen nur ein bedingter sei, und troß dieser Einschränkung sollen es doch wieder die Dinge sein, deren objektive Eigenschaften Ursachen der Bewußtseinsinhalte und der Formen ihres Zusammenhanges seien. Raum und Zeit, wie sie der Erkenntnis der Dinge zugründe liegen, sind aber so wenig mit dem psychologischen Raum- und Zeitbewußtsein identisch, daß sie nichts weniger als Abstraktionen von ihnen sind. Der mathematische Raum und die mathematische Zeit sind Begriffe des Denkens, die an die sinnliehe Wahrnehmung zum Zwecke ihrer Objektivierung herangebracht werden, Bedingungen wissenschaftlicher Erkenntnis und nicht Generalisationen der Wahrnehmungen. Dasselbe gilt von den Begriffen der Bewegung, der Kraft der Kausalität, die nicht mit Muskelempfindüngen identisch sind, sondern in Jahrhunderten wissenschaftlicher Arbeit errungene Grundlagen wissenschaftlicher Forschung bedeuten. Die Erkennfnislehre Spencers steht außerhalb allen Zusammenhanges mit der Erkenntnis, deren Grundlagen nicht aus der Psychologie abzuleiten, sondern durch die Erkenntnis selbst als Prinzipien und Methoden der Forschung festgestellt werden. Bedeutet aber Erkennen einen Inbegriff von Verknüpf ungsgeseßen der Erfahrung, die das Erkennen selbst bestimmt, dann ist Erkennen nicht assoziativer Ablauf von Erfahrungen, sondern ihre denkende Verarbeitung zur Einheit eines objektiven Zusammenhanges. Wohl hat die Erkenntnis biologischen Wert, aber ihr biologischer Wert * ist nicht Grund, sondern Folge ihrer Wahrheit. Die Wissenschaft gibt sich die Grundlage ihrer Forschung selbst. Daraus folgt aber, daß die Prinzipien der Physik nicht auch notwendig Grundlagen der Biologie, Psychologie, Soziologie und Kulturphilosophie sein müssen. Nach der Verschiedenheit der Erkenntnisaufgaben und der Gegenstände der Erkenntnis sind die Prinzipien der Erkenntnis in den verschiedenen Gebieten der Wissenschaff verschieden. Der Spencer’sche Monismus der naturwissenschaftlichen Methode ist ein Dogmatismus, der wissenschaftlich unbegründet ist. Wie wenig dieser Dogmatismus der kausal-geneti-