Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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35 der Gattung bedingt. Demnach ist Denken der Niederschlag angesammelter Erfahrungen, die ihren biologischen Wert für die Erhaltung der Art erwiesen haben. Die Prinzipien des Denkens selbst sind die generellsten Tatsachen biologischer Erfahrung. Dann also ist es n i c h t das Denken, das die Wahrnehmung trägt, sondern sind es die früheren Wahrnehmungen, die die gegenwärtige Wahrnehmung bestimmen. Der Widerspruch zwischen den beiden Theorien ist offenbar und ebenso deutlich, daß die zweite Theorie das Denken als einen vom Wahrnehmen qualitativ geschiedenen Akt der Verknüpfung der Bewußtseinsinhalte nach logisdien Gesichtspunkten in Abrede stellt. Ist Denken Niederschlag von Erfahrungen, so sind es die Wahrnehmungen selbst, die durch die Häufigkeit ihrer Koexistenzen und Successionen bei Gegebenheit eines Gegenstandes bestimmte Vorstellungen ins Bewußtsein heben. Woher aber kommt das Bewußtsein ihrer Gleichheit oder Verschiedenheit? Sind Gleichheit oder Verschiedenheit zweier Be-׳ wußtseinsinhalte selbst nur Bewußtseinsinhalte, die sich assoziativ diesen Bewußtseinsinhalten angliedern? Ist Gleichheit oder Verschiedenheit in ebendemselben Sinne Wahrnehmung wie die Farbe oder sonst ein sinnliches Merkmal des Gegenstandes? Die Anpassung kann sich doch nur auf die Inhalte des Bewußtseins beziehen, die wegen ihres biologischen Wertes im Gedächtnis festgehalten werden. Ist das Vergleichen, Folgern und Schließen aus den Daten der Erfahrung mit den Daten der Erfahrung selbst identisch? Die Assoziationstheorie als Theorie des Urteils ist eine Reflexion über die Geseße und Formen des Bewußtseins. Ist diese Reflexion wiederum nur ein Niederschlag der Erfahrungen, warum ist sie dann nicht so allgemeiner Bewußtseinsinhalt wie die Erfahrungen, auf die sie sich bezieht? Ist Erkennen gleich der Summe der Erfahrungen, warum ist das Erkennen nicht so allgemein wie die Erfahrungen, die erkannt werden. So hebt sich die Assozia- iionstheorie als Theorie der Erkenntnis selbst auf. Derselbe Widerspruch ist in den einzelnen Positionen der Spencer‘schen Erkenntnislehre nachzuweisen. Raum und Zeit sollen Abstraktionen aus den räumlichen und zeitlichen Lagen der Körper sein. Woher aber kennen wir die räumlichen und zeitlichen Lagen der Körper als objektive Eigenschaften der Gegenstände? Die Erkenntnis unserer Bewußtseinsinhalte als objektive Merkmale der Gegenstände seßt die Scheidung unseres Bewußtseins von den Gegenständen voraus. Wenn troß dieser Scheidungen die Bewußtseinsinhalte eine objektive Bedeutung haben sollen, so erfordert das eine prästabilierte Harmonie zwischen den Dingen und den Be-