Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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32 kann Erkennen nicht mit den Assoziationen der Empfindungen identisch sein. In gleicher Weise hat Spencer Gefühl und Willen von den Assoziationen der Empfindungen mit Gefühlen und Begehrungen abzuleiten versucht. Und zwar unterscheidet Spencer automatische und bewußte Handlungen. Die automatischen Handlungen sind Reflex- und Instinkthandlungen, die sich nur durch größere oder geringere Kompliziertheit der Reaktionen auf entsprechende komplexe Reize unterscheiden. Sind aber die Reize zu mannigfach, um automatisch beantwortet zu werden, dann ist bewußtes Handeln notwendig. Dieses hat denkendes Erfassen des Zusammenhanges, das wieder vom Gedächtnis getragen ist, zur Grundlage. Diese intellektuellen Prozesse aber sind von Gefühlen und Begehrungen begleitet. Von der Stärke der Einsicht und der Stärke des Gefühls und der Begehrungen ist die Handlung bedingt. Wird entsprechend der mechanistischen Methode von Spencer die Qualitative Einheit von Reflex und Instinkt behauptet, so unterscheidet er hingegen rein assoziative Prozesse vom bewußten Handeln. So notwendig diese Unterscheidung ist, so unberechtigt ist sie, wenn alles Geschehen mechanisch assoziativ ist. Woher kommen wie schon die Erinnerungen, die dem Denken das Material bieten, nun das Denken, das das Handeln leitet, und die Begehrungen, die auf die Selbsterhaltung bezogen sind? Woher die Einheit der intellektuellen, emotionellen und voluniarisiischen Erfahrungen, die in der Einheit der Persönlichkeit begründet sind? Spencer sieht sich genötigt, die Persönlichkeit aus dem Mosaik der Bewußtseinsinhalte entstehen zu lassen, und doch ist es die Persönlichkeit, die allen ihren Akten die Einheit der Selbst- Erhaltung und -Verwirklichung gibt. Die Psychologie ohne Seele nimmt dem Leben der Seele allen Sinn und verwandelt es in ein sinnloses Spiel der Bewußtseinsinhalte, oder sie führt die synthetisdien Akte der Seele unbesehen ein und hebt so die Vorausseßungen der mechanistischen Psychologie auf. Die Soziologie erst führt zur konkreten Erkenntnis der menschlichen Persönlichkeit, die im Gemeinschaftsleben ihre volle Entwicklung erfährt. So wenig aber die menschliche Persönlichkeit der Gestalter ihrer seelischen Inhalte, sondern vielmehr ihre Resultante ist, ist die menschliche Gemeinschaft der Gesellschaft etwas anderes als das Aggregat der sie bildenden Individuen. Die Einheit der Gesellschaft beruht auf der Summation des Selbsterhaliungswillens der Individuen zum Egoismus der Masse, die gemäß