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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 44

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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30 Entwicklung auch die Auflösung nennt und Entwicklung dann nur ein anderer Name für Kontinuität der Veränderung ist. Keineswegs aber kennt die Welt ein Ziel, das sie in ihren Prozessen zu verwirklichen strebt, also auch keine Entwicklung, die auf ein Ziel angelegt ist. Nicht innere Formen entfalten sich, sondern das mechanische Spiel der Atome bringt auf gewisse Zeiträume zusammenhängende Bildungen hervor, die ebenso wieder abgetragen werden, um neuen Synthesen Plag zu machen. Die zweckfreie Betrachtungsart der modernen Naturwissenschaft beherrscht das Weltbild dieses Systems des Evolutionismus, das eine Entwicklung ohne Ziel behauptet. Weil es das Weltbild der Naturwissenschaft ist, das dem System des Evolutionismus zugrunde liegt, geht Spencer von den Begriffen und Prinzipien der Physik als kosmischen Prinzipien aus, ist der Ausgangspunkt seiner Philosophie ein naiurwissenschaftlieber Realismus, der die Begriffe der Physik für Elemente der Wirklichkeit und die Bewegungsgesege der Physik für Weltgesege hält. Der Entwicklung des Universums, wie sie Spencer beschreibt, liegen also von der Naturwissenschaft bereits geformte Wirklichkeiiselemente zugrunde. Nun behauptet wohl Spencer, dag die Ordnung der Ideen von der Ordnung der Dinge auf Grund der Erfahrung bewirkt wird. Eine eindringende Analyse des Erkenntnisbegriffs aber erschüttert diese Voraussegung und erweist die Erkenntnis als Synthese der Erfahrungen unter logischen Gesichtspunkten zu logisdien Zusammenhängen. Damit treten die Synthesen der Erkenntnis in eine Beziehung zum Geist, dessen Funktionen oder Intuitionen sie sind. Spencer streift wohl bisweilen diesen Symbolbegriff aller Erkenntnis, ohne aber Konsequenzen für seine Metaphysik zu ziehen. Im Gegenteil ist Spencer von der universellen Bedeutung der naturwissenschaftlichen Begriffe und Prinzipien in so hohem Grade überzeugt, dag er grade von diesen Begriffen aus die Entwicklung aller einzelnen Gebiete innerhalb des Kosmos zu deduzieren sucht. So untersteht bei Spencer nicht nur die anorganische Natur, wie allgemein angenommen, den mechanischen Prinzipien als der Wirkungsweise der Naturkräfte, sondern ist auch die organische Natur aus ihnen abzuleiten. Beherrscht Entwicklung die Wirklichkeit und ist Entwicklung Kontinuität der mechanischen Veränderungen, so darf es an keiner Stelle der Reihe etwas ursprünglich Neues geben. Leben kann also nur durch die Kompliziertheit seiner ** Zusammensegung vom Toten unterschieden sein und in der leichten Veränderlichkeit seiner komplizierten Struktur bestehen.

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