Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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29 matik heraustreten und die Ideen von gut und böse immer weitere Kreise des Wohlergehens des Einzelnen und der Gesamtheit umfassen. Anstatt bereits anerkannte Wahrheiten zu wiederholen, wird es die Aufgabe der religiösen Lehrer sein, neue Wahrheiten zu finden, die die Gefühle und Handlungen der Menschen in der immer zunehmenden Verwicklung des sozialen Lebens zu leiten bestimmt sind. f) Kritik. Wir haben das System Spencers ohne kritische Unterbrechung dargestellt, um die gradlinige Durchführung seines methodischen Gesichtspunktes zur Wirkung zu bringen. Nun mögen die gewonnenen Resultate auf ihre Haltbarkeit geprüft werden: Spencer nennt sein System Evolutionismus entsprechend der prinzipiellen Bedeutung, die dem Entwicklungsbegriff in seinem Weltbilde zukommt. Die Entwicklung soll aber nicht eine teleologische Leitung der Naturkräfte durch ihnen immanente oder aufgeprägte Zwecke bedeuten, sondern das Spiel der mechanischen Kräfte selbst soll nicht nur kontinuierliche Veränderungen der Wirklichkeit, sondern die einheitliche Richtung der Veränderungen, d. h. ihre Entwicklung hervorbringen. So soll die Kausalität selbst teleologisch wirken. Insbesondere ist es das Geseß der Erhaltung der Kraft, das die Bewegungsenergie zur Konzentration und Differenzierung der Teile des Kosmos, diese zur weiteren Konzentration und Differenzierung bringt, bis auf Grund desselben Prinzips der Erhaltung der Kraft auf die am weitesten vorgeschrittene Konzentration und Differenzierung die Auflösung und Disintegration folgt. Aus dem Mechanismus der Bewegung der Teile soll also die Ordnung und die Struktur des Kosmos, wie die Auflösung des Kosmos abgeleitet werden. Es ist zweifellos, daß Spencer mit dieser Betrachtungsart auf dem Boden der Physik steht, die alle teleologische Betrachtungsart als ignava ratio ablehnt und ausschließlich der Erkenntnis des Kausalzusammenhanges zugewandt ist. Und es ist auch zutreffend, daß die Kant-Laplace’sche Kosmogonie und die moderne Geologie die Entwicklung des Kosmos beziehungsweise der Erde aus medianischen Kräften und deren kausalen Zusammenhang zu erklären sucht. Aber es ist ebenso gewiß und von Spencer anerkannt, daß die Entstehung des Kosmos und seine Auflösung das Produkt der gleichen Naturkräfte ist und nur der Blick, der auf eine Epoche der Konzentration und Differenzierung der Welt gerichtet ist, Ent- Wicklung und nicht Auflösung wahrnimmt. Es sei denn, daß man