Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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28 Zusammenhang, eine Realität existiert, so erkennen wir doch, daß: der Nexus dieser Realität unserem Bewußtsein auf ewig unzugänglieh sein wird. Die Macht dieser unerkennbaren Kraft wird gerade mit dem Fortschritt der Wissenschaft immer größer und wunderbarer, je deutlicher unsere Erkenntnis von der Größe des Universums und der Verwickeltheit ihrer Geseße wird. So erkennt die Wissenschaft immer klarer, daß es ein unerforschliches Sein oder Wesen gibt, dessen Kundgebungen ihm überall gegenübertreten, für die er jedoch weder Anfang noch Ende zu finden vermag. Inmitten all dieser Geheimnisse, die um so geheimnisvoller werden, je mehr er über sie nachdenkt, bleibt ihm stets die eine unbedingte Gewißheit, daß er sich in jedem Augenblick einer unendlichen und ewigen Energie gegenüber befindet, der alles Dasein entströmt. (W. W. 1X4 S. 20.) Wenn mit dieser Veränderung der religiösen Ideen zum Agnostizismus auch die Kulte eine entschiedene Veränderung erleiden müssen und immer weniger die Idee einer Versöhnung der Geister und Götter bewahren können, so ist doch damit keineswegs gesagt, daß auch alle die Gebräuche verschwinden müssen, welche geeignet sind, das Bewußtsein von dem Verhältnis, in dem wir zu der unbekannten Ursache stehen, wach zu erhalten und den aus diesem Bewußtsein entspringenden Gefühlen Ausdruck zu verleihen.. Nach wie vor wird sich das Bedürfnis geltend machen, jener all zu nüchternen und materiellen Lebensauffassung gegenüber, wie sie nur allzuleicht aus dem völligen sich Versenken in die tägliche Arbeit sich ergibt, ein Gegengewicht zu geben, und stets werden diejenigen, die befähigt sind, in ihren Zuhörern den wahren Sinn für das große Geheimnis, in welchem der Ursprung und die Bedeutung des Weltalls verborgen sind, zu erschließen und lebendig zu erhalten, eine wichtige und dankbare Aufgabe zu lösen finden. Es läßt sich sogar voraussehen, daß insbesondere der musikalische Ausdrude des dieses Bewußtsein begleitenden Gefühls nicht bloß beibehalten, sondern sogar zu größerer Entfaltung gelangen wird. Immer neue musikalische Formen werden den Gedanken und Gefühlen Ausdrude geben, die das Bewußtsein eines Lebens hervorrufen, das nur ein unendlich kleines Produkt jener höchsten Macht ist, deren Grenzen wir nirgends zu finden noch auch uns nur vorzustellen vermögen. (W. W. IX 4 S. 180.) Zu gleicher Zeit dürften auch die Vorstellungen von den Pflichten der Menschen immer mehr aus dem Kreis der Dog-