Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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27 erkennung, nicht bloß weil sie die Forderung der Götter sind, sondern weil sie als Grundlage des Gedeihens der menschlichen Gesellschaft erkannt werden. Der intellektuelle Fortschritt schränkt den Herrschaftsbereich der Götter mehr und mehr ein. Je weiter die Erkenntnis von der natürlichen Verursachung alles Geschehens sich ausbreitet, in desto lebhafteren Widerspruch tritt sie mit der mythologischen Entwicklung. Die Dämonenlehre fällt zuerst als mit der Wissenschaft unverträglich; ihr folgt der Polytheismus bei der Einsicht in den ein-׳ heitlichen Zusammenhang der Natur. Es entwickelt sich die Vor- Stellung von einem allmächtigen und allgegenwärtigen Gotte, der Monotheismus. Aber auch die Persönlichkeit des einen Gottes verliert immer entschiedener alle menschlichen Attribute, als mit seinem Wesen unvereinbar. Und schließlich werden auch die Attribute der Allwissenheit und der Allmacht in ihrem Widerspruch zum göttlichen Wesen erkannt. Denn Wissen seßt Bewußtseinsinhalte, diese eine Welt außerhalb des Bewußtseins existierender Gegenstände als ihre Ursache voraus. Ebenso hat der Wille Motive und Zwecke zur Voraussetzung, die wieder auf Gegenstände außerhalb des Willens bezogen sind und schließen die vielen einzelnen Zwecke sich gegenseitig zum mindesten zeitweilig aus. So wird auch der Verstand und Wille Gottes unvorstellbar, da die Empfindungen, aus denen der Verstand sich entwickelt, ihm nicht zugeschrieben werden können. (W. W. IX 4 S. 191 ff.) Scheint dann nicht aber die Vorstellung Gottes sich vollständig aufzulösen? Das wäre der Fall, wenn all diesen religiösen Vorstellungen nicht ein Körnchen Wahrheit zu Grunde liege. Eine solche Wahrheit aber ist ihre Wurzel. Jede willkürliche Handlung liefert dem primitiven Menschen den Beweis für eine Quelle von Kraft in seinem Ich. So antropomorph seine Vorstellung von dieser Kraft in seinem Ich ist und so mythologisch seine Vorstellung von den Agentien in der Natur sind, die Wissenschaft hält an dem Kraftbegriff fest und erweist immer umfassender, wie alle Veränderungen in der Natur Verwandlungen der einen die Wirklichkeit erfüllenden Kraft sind. Die erkenntnistheoretische Einsicht aber belehrt uns, daß das Wesen dieser Kraft, die in der Außenwelt und in unserem Ich die Grundlage aller Veränderung ist, unserer Erkenntnis nicht zugänglieh ist. Wir erkennen immer nur von den Begriffen unseres Geistes aus, und bauen aus unseren Erfahrungen Symbole der Wirklichkeit. Wenn auch hinter jeder Gruppe von Erscheinungen ein kausaler