Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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26 Audi innerhalb dieser Gruppe der höchsten ästhetischen Gefühle findet eine Entwicklung statt von jenen Gefühlen, die der Erregung egoistischen Gefühls, dann des ego-altruistischen Gefühls und schließlich des altruistischen Gefühls entsprechen. Stets aber ist es ein unbedingtes Erfordernis, daß diese Gefühle eine möglich große Anzahl gemäßigter Elemente enthalten, gemischt mit möglidist geringem Zusaß mit solchen gewaltsamer oder heftiger Art, und daß, wo ein sympathetisches Leid erregt wird, wie es oft der Fall ist, dies nur jene Form des Mitleids sein darf, in welchen ein freudiges Element vorherrscht. (W. W. V 2 S. 724.) 4. D i e R e 1 i g i o n. Wissenschaft, Sittlichkeit und Kunst gehören in immer bedeutenderer Weise der Menschheit, ihr Fortschritt vollzieht sich in diesen Kulturgebieten. Gilt das gleiche von der Religion? Die Charakteristik des primitiven Menschen hat gezeigt, daß die Ideen der Religion nicht dem ursprünglichen Zustand des Menschen angehören, sondern im Laufe seiner Entwicklung entstehen. Wie das Tier, denkt auch der Wilde nur an Dinge, die gesehen, gehört, geschmeckt werden können. Erst der höher entwickelte Mensch hat Ideen vom liebernatürlichen, so sehr dieses auch dem Natürlichen noch ähnlich ist. Aus den Tatsachen des Traumes und Todes geht die Vor- Stellung von Geistern hervor, die vom Körper sich trennen können, aber ohne ihre Wirkungsfähigkeit zu verlieren. Schon früh bilden sich im Geist erreich Abstufungen, die mit der sozialen Rang- Ordnung der Lebenden Aehnlichkeii haben. Der Geist des toten Häuptlings erfährt nicht nur von seinen Nachkommen, sondern von allen Stammesgenossen Verehrung. Fortwährende Kriege bewirken mit der Vereinigung der Stämme auch Integrierung ihrer Kulte, wobei der Kult sich in besonderen Priesterschaften organisiert. Die Priesterschaften bilden besondere Vorstellungen der von ihnen verehrten Geister und ihrer Kulte aus. Es entsteht der Polytheismus, der mit der Differenzierung der Kulte auch die Vorstellung der Geister zu höheren Wesen, die die verschiedenen Bereiche der Natur beherrschen, steigert. Audi die Gebote der Götter verändern sich bei dem allmählichen Uebergang vom Kriegszustand der menschlichen Gesellschaft zu ihrem industriellen Typus. Neben dem rohen und abergläubischen Kultus treten mehr und mehr die ethischen Forderungen, die dem Frieden und der Erhaltung der menschlichen Gesellschaft dienen. Dieser Prozeß schreitet weiter und weiter fort und immer mehr erhalten die ethischen Gebote An-