Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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25 Wenn jedoch der Mensch einer lang anhaltenden Zucht im sozialen Leben, das immer weniger räuberisch und immer vorwiegender friedlich wurde, unterworfen gewesen ist und dadurch die Sympathien und die aus ihnen entspringenden altruisiisehen Gefühle zur Entwicklung haben gelangen können, so beginnen auch diese ein Gebiet für zwecklose Tätigkeit zu fordern. Die schönen Künste gestalten sich in allen Zweigen so aus, daß sie mehr und mehr mit diesen Gefühlen in Uebereinstimmung kommen. Je mehr im Fortschritt der sozialen Entwicklung die altruistisehen Gefühle sich entwickeln und die weisere Verwendung der Arbeitskräfte durch Verbesserung aller möglichen mechanischen, sozialen und* sonstigen Hilfsmittel einen wadisenden Ueberschuß von Energie ermöglichen, werden die ästhetischen Fähigkeiten und Freuden immer mehr an Umfang und Bedeutung zunehmen und immer mehr sich an die höheren Geisteskräfte wenden. IW. W. V. 2 S. 730.) Die höchste Stufe des ästhetischen Gefühls wird dann erreicht sein, wenn es den größten Umfang hat und dieser durch gehörige Uebung der größten Zahl von Kräften ohne unzuträgliche Anstrengung irgendeiner derselben gewonnen worden ist. Da aber die höheren Geisteskräfte aus der Zusammenfassung der niederen hervorgehen, schließt die Tätigkeit eines höheren Vermögens von. selbst die Tätigkeit der vielen untergeordneten Vermögen, die es koordiniert, mit ein. Hieraus ergibt sich folgende Skala der ästhetischen Zustände: Am niedrigsten stehen die Freuden, die aus einfachen Empfindungen zum Beispiel von süßen Gerüchen, schönen Farben, liebliehen Tönen entspringen, und etwas höher folgen die durch Harmonien von Tönen und Harmonien von Farben verursachten Gefühle. Daran schließen sich die Freuden, welche im Zusammenhang mit mehr oder weniger verwickelten Wahrnehmungen auftreten. In der höchsten Ordnung der ästhetischen Gefühle sind die präsentativen Elemente nebensächlich und die repräsentativen wesentlich. Die Eindrücke von Form und Farbe, die Tonfolgen und Akkorde und noch mehr die gesprochenen oder geschriebenen Wortsymbole sind nur die Hilfsmittel, durch die assoziativ gewisse Gemütsbewegungen wachgerufen werden. Demnach steht das so erzeugte Gefühl auf hoher Stufe sowohl hinsichtlich seiner Entfernung von der einfachen Empfindung als hinsichtlich seiner Kompliziertheit, indem es eine außerordentliche Mannigfaltigkeit von Elementen umschließt, aus denen Gemütsbewegungen sich zusammenseßen.