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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 38

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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24 Empfindung, der Wahrnehmung und der Emotion, derselben Vermögen, die wenn anderweitig erregt, jene Arten des Bewußtseins erzeugen, welche unsere gewöhnlichen Eindrücke, Ideen und Gefühle bilden. Während aber die Bewußiseinszustände, die wir noch nicht zu den ästhetischen rechnen, einfach als Hilfsmittel und Anreiz zum richtigen Handeln und ztor Lebensführung dienen, sind die Zustände des Geistes, die wir ästhetische nennen, nicht mehr bloß Glieder in der Kette der Zustände, die unser Handeln zu wecken und zu leiten haben. Statt sie nur vorübergehend zu erfassen und dann wieder entschwinden zu lassen, halten wir sie im Bewußtsein zurück und verweilen gern bei ihnen, denn ihr Wesen ist so beschaffen, daß ihre dauernde Gegenwart im Bewußtsein uns angenehm ist. Bevor es zu dieser Wirkungsweise unserer Geisteskräfte kommen kann, muß ein Zustand erreicht sein, wo die Bedürfnisse nicht mehr im Vordergrund stehen. Solange heftige Begierden vorwalten, die aus körperlichen Bedürfnissen und ungestillten niederen Instinkten entspringen, hat das Bewußtsein nicht Freiheit genug, um bei diesen Zuständen zu verweilen, welche die höheren Geisteskräfte begleiten, sie werden vielmehr immer wieder durch die Begierden verdrängt. Daher treten Fähigkeiten dieser Art erst hervor, wenn der Organismus eine so hohe Stufe seiner Organisation erlangt hat, daß die Energie sich nicht mehr von Stunde zu Stunde in der Sorge für materielle Anforderungen vollkommen erschöpft. Erst im Zusammenhang mit gelegentlichem Nahrungsüberschuß sind die Bedingungen gegeben, die es ermöglichen, daß die Tätigkeit der höheren Geisteskräfte um ihrer selbst willen ohne Rücksicht auf weitere Zwecke erstrebt werden. Dann beginnt erst das freie Spiel der Kräfte aus Freude am Spiel. Solche ohne Rüdesicht auf Zwecke ausgeführte Handlungen werden nun zunächst von ähnlichen Freuden begleitet sein, wie sie die im Leben des betreffenden Geschöpfes vorwiegenden Handlungen begleiten. Und darum äußert sich die erMe Form des Spieles in der zwecklosen Tätigkeit des sensorisch-motorischen Apparates und jener zerstörenden Instinkte, welche gewöhnheitsmäßig die Verrichtungen desselben leiten. Sind die höheren Stufen der koordinierenden Kräfte entwickelt, so zeigen sich auch bei ihnen zwecklose Tätigkeiten und entsprechende Freuden in allerhand Spielen und Uebungen, welche von den ursprünglichen zerstörenden Tätigkeiten entfernt sind. Doch herrscht in ihnen noch in hohem Grade die stellvertretende Befriedigung von Gefühlen, die einem kriegerisch-räuberischen Leben angepaßt sind.

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