Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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23 Der soziologische Standpunkt ergibt die Bedingungen, unter welchen allein die gesellschaftlichen Tätigkeiten so ausgeführt werden können, daß das vollkommene Leben des Einzelnen mit dem vollkommenen Leben aller vereinbar ist und dasselbe fordert: Im Anfang behauptet 'die Wohlfahrt der sozialen Gruppe, die der Regel nach mit anderen Gruppen im Streite lebt, den Vorrang vor der individuellen Wohlfahrt, und die Gesejse des Handelns, welche für diese Zeit Geltung haben, bedingen eine gewisse Unvollkommenheit des individuellen Lebens, damit das allgemeine Leben aufrecht erhalten werden könne. Mit der Annäherung an einen friedlichen Zustand kommt das allgemeine Leben, das ja von Anfang an die Förderung des Lebens des einzelnen Individuums zum lefeten Zweck hatte, endlich soweit, sich dies zum nächsten Zweck zu seßen. Das wesentliche Erfordernis ist, daß die auf den Lebensunterhalt abzielenden Handlungen eines jeden ihn in der Tat den Betrag und die Art von Vorteilen einbringen, welche sich naturgemäß daraus ergeben. Und dies seßt voraus, daß er erstens keine direkten Angriffe auf Leben und Eigentum erleidet und zweitens, daß ihm auch nicht durch Vertragbruch indirekte Schädigung zugefügt werde. Hat die Beobachtung dieser negativen Bedingungen des freiwilligen Zusammenwirkens das Leben durch Austausch von Dienstleistungen nach Uebereinkunft bereits in größtem Umfange erleichtert, so muß dasselbe noch weiter erleichtert werden durch Austausch von Leistungen ohne jede Uebereinkunft. Der Altruismus, der den Egoismus nicht unterdrückt, sondern die Versöhnung der Interessen aller ist und die Freuden des Einzelnen durch die Mitfreude mit der Freude anderer steigert, ist das Ziel der sozialen Entwicklung. Er wird immer mehr die Grundlage der Familie, der Fürsorge der Eitern für die Kinder und der Kinder für die alt gewordenen Eltern, die Grundlage der sozialen Gemeinschaft in der Fürsorge für das Gedeihen ihrer Glieder, obwohl bei fortschreitender sozialer Entwicklung die Gelegenheit zu sozialer Hilfe infolge des allgemeinen Qedeihens immer seltener wird. In seiner höchsten Form wird der Altruismus darin bestehen, daß er Befriedigung findet in dem Mitgefühl für die Befriedigung anderer, die durch die erfolgreiche Tätigkeit aller hervorgerufen wird. IW. W. X 1 S. 277.) 3. D i e K u n s t. Die ästhetischen Gefühle sind ihrem Ursprung und Wesen nach nichts anderes als besondere Erregungsweisen der