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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721047--034-2726419
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21 Lebens zur Erkenntnis bringen und zieht aus ihnen ihre Folgerangen: Entsprechend dem Fortschritt der Natur in physikalischer Hinsicht von zusammenhangloser Gleichartigkeit zur Bestimmtheit des Zusammenhanges, ist sittlich ein Handeln von zusammenhängender Bestimmtheit und konkreter Mannigfaltigkeit, unsittlich Zerfahrenheit und primitive Gleichförmigkeit. In biologischer Hinsicht findet das Leben, wo die Entwicklung auf niedriger Stufe steht, bald sein Ende; mit jedem Fortschritt in der Entwicklung wird es widerstandsfähiger und dauerhafter. So besteht also in biologischer Hinsicht die Vollkommenheit des Lebens darin, dag die verschiedenen Funktionen des menschlichen Organismus in ihrer Art, ihrem Grade und ihren Kombinationen den verschiedenen Tätigkeiten angepagt sind, die das vollkommene Leben erhalten. In psychologischer Hinsicht besteht die Entwicklung in Unterwerfung unmittelbarer Empfindungen unter die Ideen zukünftiger Empfindungen und in der Beherrschung von präsentativen Gefühlen durch repräsentative Gefühle. Daraus ergibt sich, da& die Gefühle eine um so höhere Bedeutung für die Leitung des Handelns in Anspruch nehmen müssen, je weiter sie durch ihre Kornpliziertheit und Ideellität von einfachen Empfindungen und Trieben entfernt sind. In intellektueller Hinsicht werden demnach die Zwecke des Augenblicks immer mehr zukünftigen Zwecken untergeordnet. So verhält es sich auch bei den primitiven Menschen, die erst bei zunehmender Entwicklung des sozialen Lebens die üblen Folgen impulsiven Handelns erkennen und die Zukunft voraus bedenken. Auf der untersten Stufe des menschlichen Zusammenlebens wirkt als Motiv, die Zukunft zu bedenken, die Furcht vor dem Zorn der Genossen. Je mehr eine staatliche Organisation sich gestaltet, desto mehr fühlt der Einzelne seine Abhängigkeit von dieser und fügt sich den staatlichen Gesefeen aus Furcht vor Strafe. Unterdessen hat sich aber auch die Geistertheorie entwickelt und es gesellt sich zur Furcht vor den Menschen die Furcht vor den Geistern, den Göttern. Die Furcht vor den Göttern führt zur Beachtung der Gesefee, die man als religiöse Gesefee hält. Zu alledem kommt nun, dag die Kontrolle der öffentlichen Meinung ein System von Sitten und Gebräuchen schafft, die gemä& dem Drude der Gesellschaft auf den Einzelnen lastet und befolgt werden. Diese staatliche, religiöse und soziale Kontrolle, die selbst der Erhaltung der Gesellschaft dienen, bringen die Menschen dazu, nächstliegende Genüsse entfernteren Genüssen unterzuordnen, und

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