Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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20 zwischen den einzelnen Gruppen oder zwischen den Gliedern derselben Gruppe fortbestehen. Das Handeln kann somit die obere Grenze seiner Entwicklung nur in dauernd friedlichen Gesellschäften erreichen. Und wenn die Bürger eines Gemeinwesens, sei es indirekt durch industrielles Zusammenwirken, sei es direkt durch freiwillige Hilfe, einander die Anpassungen von Handlungen an Zwecke erleichtern können, dann nimmt ihr Handeln eine noch höhere Stufe in der Entwicklung ein, da ja natürlich alles, was jedem einzelnen seine Anpassungen durchführen hilft, auch die Gesamtheit der erreichten Anpassungen vergrößert und dazu beiträgt, das Leben aller vollkommener zu machen. Diese höchste Form der Entwicklung des Handelns ist der Gegenstand der Ethik und diese Form des Handelns wird gefordert, wenn der höchste Typus aller Wesen, der Mensch, durch Zunahme seiner Individuenzahl genötigt ist, mehr und mehr in unmittelbarer Gegenwart seiner Genossen zu leben. Als gut im höchsten Sinne ist also diejenige Form des Handelns zu bezeichnen, die gleichzeitig die größte Summe des Lebens für den Einzelnen, für seine Nachkommenschaft und die Mitmenschen bewirkt. (W. W. X 1 S. 27.) Dies seßt aber voraus, daß man di״e Erhaltung des Lebens als wertvoll ansieht. Die Erhaltung des Lebens aber findet seine Rechtfertigung darin, daß man aus demselben einen Ueberschuß angenehmer Empfindungen über die schmerzlichen gewinne. Der Utilitarismus ist also die Rechtfertigung und Begründung der Ethik. Im Gegensaß zu Bentham und . M i 11 will aber Spencer die utilitaristische Schäßung der das Leben fördernden oder beeinträchtigenden Handlung nicht vom I n d i v i - d u u m und dessen Erfahrung abhängig machen, die nur von subjektiver und eingeschränkter Geltung ist, sondern die utilitaristischen Urteile auf umfassende Erkenntnis des Lebens und der Geseße seiner Entwicklung gründen. Der rationale Utilitarismus ist bestimmt, an Stelle bloßer individueller Induktionen die ethischen Geseße des menschlichen Handelns zu bestimmen. Diese Geseße sind Erkenntnis der kausalen Bedingungen, die zur Erreichung des Glücks und der Wohlfahrt der Menschen führen. Eine absolute Ethik, die die unbedingte Geltung sittlicher Geseße um ihrer selbst willen fordert, läßt diese Zweckbezeichnung der Ethik auf die Erhaltung und Förderung des Lebens außer acht, wie auch der Geizhals das Geld um seiner selbst willen liebt. Da der rationelle Utilitarismus die Geseße des menschlichen Handelns aus den Geseßen des Lebens ableitet, schließt sich die Ethik den Wissenschaften an, die die verschiedenen Reiche des