Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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19 Das gilt auch für das Bewußtsein von Realität von Gegenständen. Gegenüber allen Schlüssen der Skeptiker und Meta- Physiker enthalten die lebhaften Empfindungen, auf denen sich die Wahrnehmungen aufbauen, einen Hinweis auf von uns unabhängige Ursachen ihrer Entstehung, denen wir Glauben schenken. Wohl sind die Gegenstände außerhalb des Bewußtseins unerkennbar in ihrem Ansich. Der verklärte Realismus schreibt nicht dem Objekt zu, was dem Subjekt zugehört. Er anerkennt eine unüberschreibbare Grenze zwischen beiden, hält aber an einer äußeren selbständigen Existenz als Ursache der Veränderungen im Bewußtsein fest und kommt zu dem Schluß, daß das Wie der objektiven Existenz unerkennbar ist. 2. Sittlichkeit. Gut und b ö s e, d. h. sittlich oder unsittlich nennen wir Handlungen des Menschen. Handlungen aber sind nicht bloß Tätigkeiten des Menschen, sondern alle zweckvollen Tätigkeiten der Organismen. Diese zweckvollen Tätigkeiten dienen dem individuellen Leben oder der Aufziehung der Nachkommenschaft. Unter Geschöpfen, die ihr Leben im Gegensafe zueinander führen, muß jede der beiden Arten des Handelns unvollkommen bleiben. Selbst bei jenen seltenen Arien derselben aber, die nur wenig von Feinden oder von Rivalen zu fürchten haben, wie Löwe und Tiger, muß doch unvermeidlich wenigstens gegen das Ende des Lebens ein Mangel in der Anpassung der Handlungen an ihre Zwecke eintreten. Indem wir den Menschen als dasjenige Wesen erkennen, dessen Handeln am höchsten entwickelt ist, wollen wir uns fragen, unter welchen Bedingungen sein Handeln nach allen Seiten zur höchsten Entwicklung gelangt: Solange das Leben ausschließlich auf Beute gerichtet ist, wie bei den Wilden, bleiben die Anpassungen von Handlungen an Zwecke offenbar in jeder Hinsicht weit hinter dieser höchsten Form des Handelns zurück. Das Leben des einzelnen Individuums wird beinahe von Stunde zu Stunde irgendwie in Gefahr gebracht und findet meist ein vorzeitiges Ende; gar oft gelingt das Aufziehen der Nachkommenschaft nicht, und wenn es gelingt, bleibt es höchst unvollkommen. Werden aber die Zwecke der Selbsterhaltung und der Arterhaltung wirklich erreicht, so geschieht es doch nur vermöge der Zerstörung anderer Wesen, von gleicher oder verschiedener Art. In sozialen Gruppen, welche durch einmalige oder mehrfache Zusammensefeung primitiver Horden gebildet sind, bleibt das Handein in demselben Maße unvollkommen entwickelt, als Gegensäfee