Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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16 heiten muß eine allgemeine Liebereinstimmung bestehen und festgehalten werden. Gelangen gleichwohl andere, mit den Bediirfntesen der Zeit in Widerspruch stehende Lehren zur Geltung, so kann ihre Annahme im Grunde doch nie mehr als eine bloß nominelle sein oder sich nur auf ein beschränktes Gebiet beziehen. So ist denn mit der Verkündigung einer neuen Lehre, die ihrer Zeit weit voraus eilt, kaum mehr zu erreichen, als dag man dadurch die Wirksamkeit der auf Fortschritt hinarbeiienden Kräfte einigermaßen unterstüßt. Denn Kräfte selbst können nur in geringem Grade gesteigert werden; aber es ist schon etwas gewonnen, wenn man ein Abirren derselben auf falsche Bahnen verhindert. Dies ist der Sinn einer Besinnung auf die in der Gesellschaft erworbenen und weiter zu entwickelnden Werte. 1. Das Erkennen. Jede Wahrnehmung eines äußeren Gegenstandes seßt ein Bewußtsein voraus, daß er so und so, daß er etwas mehr oder weniger Spezifisches sei, und das schließt ,wiederum die Identifizierung desselben als ein bestimmtes Ding oder seine Einordnung mit gewissen verwandten Dingen ein. Jeder vollständige Akt der Wahrnehmung bedingt — ausgesprochen oder unausgesprochen — ein ״behauptendes Urteil“, eine Aussage in bezug auf die Natur der wahrgenommenen Sache, und wenn man sagt, was ein Ding ist, so sagt man damit, welchem Dinge es ähnlich sei. Eine Wahrnehmung des Gegenstandes kann nur entstehen, wenn die Gruppe der Eindrücke bewußt koordiniert und ihre Bedeutung verstanden wird. Da aber diese Bedeutung nur verstanden werden kann mit Hilfe jener vergangenen Erfahrungen, in denen man ähnliche Gruppen gefunden hat, so schließt das Verständnis dieser Eindrücke ihre Angleichung an jene Gruppen in sich, indem man sich dieselben vorstellt als jenen Gruppen ähnlich und als im Besifee ähnlicher Nebenerscheinungen. Es ist somit das Wahrnehmen irgendeines Gegenstandes unmöglich, es sei denn unter der Form des Erkennens oder der Klassifikation. CW. W. V 2 S. 128 ff.) Erkennen ist eine Intuition der Aehnlichkeit oder Unähnlichkeit gewisser gegenwärtiger Attribute und Beziehungen mit gewissen früheren Attributen und Beziehungen und ein Folgern oder Schließen aus diesen Intuitionen der Aehnlichkeit oder Verschiedenheit. Schließen ist also die indirekte Feststellung einer bestimmten Beziehung zwischen zwei Dingen. Der Prozeß der Wahrnehmung beruht auf der mehr oder weniger bewußten Zusammenstellung der Eindrücke, Beziehungen und Bedingungen