Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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14 baren in der Körperwelt und in der Welt des Geistes als sie durchwirkende unerkennbare Macht zu Grunde liegt. Die Entwicklung des industriellen Systems befreit den Menschen von allem Zwang und aller Furcht vor Menschen und Göttern und führt ihn dem Reich der Freiheit, des Friedens, der Erkenntnis, der Wohlfahrt und des Glückes entgegen. Während ein vom Krieg erfülltes soziales Leben positiv sittenverderbend wirkt, indem es die Gefühle des Mitleids unterdrückt und die Auf- Opferung anderer zum eigenen Vorteil notwendig macht, entwickelt sich im Industrialismus eine zunehmende Achtung vor der Individualität des Mitmenschen. Die Uebergriffe des Egoismus, welche das industrielle System begleiten, sind nur eine nebensächliche Erscheinung. Denn obgleich der Austausch von Dienstleistungen nach gegenseitiger Uebereinkunft ganz allgemein ohne Mitgefühl sich vollzieht, so wird dabei doch auf das Recht anderer Rücksicht geübt, und es könnte dies noch in viel höherem Mage der Fall sein. So befördert der Industrialismus das Mitgefühl in der Ausdehnung der menschlichen Zusammenhänge. (W. W. VIII 3 S. 754.) * Vom Kriege hat die Welt bereits empfangen, was er ihr überhaupt geben konnte. Die Bevölkerung der Erde durch die kräftigeren und intelligenteren Rassen ist ein Vorteil, der im wesentliehen schon durch ihn erreicht worden ist. Jene Integration kleinerer Gruppen zu zusammengeseßteren bis zur Entstehung großer Nationen ist so weit gediehen, als es ausführbar und wünschbar erscheint. Denn mächtige, aus verschiedenen Völkern zusammengeseßte Reiche fallen gewöhnlich wieder auseinander, wenn die sie zusammenzwingende Kraft zu erschlaffen beginnt und1 entbehren überhaupt des harmonischen Zusammenhanges. Auf friedlichem Wege sich einigende Bundesgenossenschafien stellen die einzige Form der weiteren Verdichtung und Verfestigung dar, welche wir in der Zukunft erwarten dürfen. Die staatliche Organisation, die der Krieg geschaffen hat, ist nun völlig in unseren Besiß übergegangen. Nicht anders jene durch den Krieg hervorgerufene Organisation der Arbeit, die mit dem Verhältnis von Eigentümern und Sklaven beginnend, zur freien Arbeitsgemeinschaft sich entwickelt hat. Die Fähigkeit zu anhaltender, fleißiger Arbeit, die dem Wilden völlig fehlt, und die nur unter dem Zwange jener harten Zucht des kriegerischen Gesellschafistypus erworben werden konnte, hat sich der zivilisierte Mensch bereits in hohem Maße zu eigen gemacht, und soweit er derselben in höherem Grade bedürfen mag, wird