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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1925-01-01 · 1924 (1925) · page 26

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1924 (1925)
Date
1925-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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IRI
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12 Staat in die verschiedenen Berufe der Herrschenden als Geseßgeber, Richter, Aufseher und der Beherrschten in den mannigfachen Zweigen des Ernährungssystems. Der Staat beherrscht die Einzelnen, und die Sicherung und Ausdehnung der Staatsgewalt bestimmt das Leben. In dem Kampfe gegen umgebende feindliche Gesellschaften entwickelt sich die Gemeinschaft zu einem zentralisierten System, dem alle Teile vollkommen unterworfen sind. Leben, Freiheit und Eigentum sind dem Staate unterworfen, der Verkehr mit den Nachbargesellschaften ist gering. Das Gefühl für Patriotismus wird gepflegt, Gehorsam als oberste Pflicht erachtet. Das Leben des primitiven Menschen und der primitiven Gesellschäften aber ist nicht nur durch die Furcht vor den Menschen beherrscht. Veränderungen am Himmel und auf der Erde vollziehen sich stündlich, die der Wilde nicht versteht und als willkürlich ansieht. Die Erscheinungen des Schattens, der Spiegelung, des Echos bestärken diesen Schein. Die Tatsachen des Schlafes und Traumes führen zur Vorstellung des Menschens als eines Doppelwesens, das während des Schlafes von dannen geht und beim Erwachen wiederkommt. In der Ohnmacht, der Apoplexie, scheint es, als ob das andere Ich, statt auf Anrufung zurückzukehren, während größerer Perioden fortbleiben will. Auch der Tod wird daher als Trennung des Ich vom Körper angesehen, die Gestorbenen als fortlebend betrachtet. Dieses Doppelwesen des gestorbenen Menschen seht nach seinem Weggang im Tode seine Beschäftigungen fort, jagt, raubt, weidet sein Vieh, sät, erntet. Die Furcht vor den lebenden Toten führt zu Gebräuchen des Totenkultus. Freundliche Geister werden angefleht, böse werden gebannt. Die Verehrung und die Zauberkräfte übertragen sich auf den Körper des Gestorbenen, schließlich auf sein Bild, das als Siß seiner Seele angesehen wird. Die Verwandlungen in der Natur werden als Verwandlungen von Geistern in Tiere, Pflanzen, Himmelserscheinungen aufgefaßt. Bei zunehmender Stärke des sozialen Zusammenhangs und der Differenzierung der Gesellschaft entwickelt sich die Ahnen- Verehrung zur Götterverehrung, die zu den verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens in Beziehung stehen. Der Kultus wird Angelegenheii des Staates, die Priester, Tempel, Opfer Elemente der sozialen Ordnung. Die Furcht vor den Göttern ergänzt die Furcht vor den Menschen und macht die Götter zu den mächtigen Herrschern des Staates. Staat und Kirche bilden eine unauflösliche Einheit. Die Furcht vor den Lebenden wird die Wurzel der bürger-

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