Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721047--024-2726409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
11 Menschen. Hierzu freien die Aenderungen der äußeren und inneren Faktoren, die Ursache weiterer Veränderungen werden, die gegenseifige Beeinflussung der Gesellschaft und ihrer Einheiten, die Wirkung und Rückwirkung zwischen einer Gesellschaft und ihren Nachbargesellschaften, die Entwicklung der materiellen Hilfsmittel, aber auch der Sprache, der Schrift, des Wissens, der Sitten, der religiösen Vorstellungen, der Kunst. Diese überorganischen Prodükte schaffen für den Menschen eine neue Umgebung, die wichtiger werden kann, als die ursprünglich natürliche Umgebung. Der primitive Mensch ist in einem hohen Grade von den äu&eren Faktoren des Klimas, der Bodenbeschaffenheit, der Flora und Fauna abhängig, da er ihnen nur wenig Veränderung der für ihn ungünstigen Leberisbedingungen entgegensefeen kann. Demzufolge ist sein Körper allen Unbilden der Naturkräfte ausgelieferi, ist seine Statur, sein Körperbau, seine Gesundheit von ihnen bedingt, aber auch sein seelisches Leben zeigt infolge der Abhärtung durch die Natur einen hohen Grad von Unempfindlichkeit und einen Mangel von Energie bei Fehlen aller Kenntnisse, durch welche sein Willen Herr der Natur zu werden vermöchte. So ist auch sein Gefühlsleben von den auf ihn einstürmenden Eindrücken beherrscht, ist er unbesonnen, aufbrausend, leidenschaftlich, besifet er wohl ein lebhaftes und scharfes Wahrnehmungsvermögen, sind aber Gedächtnis, Verstand und Vernunft noch wenig entwickelt. Der Geschlechtstrieb schafft die ersten ganz losen und unbeständigen Verbindungen zwischen den Geschlechtern, die Aufzucht der Kinder die ersten primitiven und rohen Zusammenhänge zwischen der älteren und jüngeren Generation. Das nomadische Leben löst diese Zusammenhänge immer wieder auf. Erst beim Uebergang vom ]ägerleben zum Hirtenleben und erst recht zum Ackerbau erhalten die Horden einen dauernden Zusammenhang, entwickelt die Grofefamilie bei der Zunahme der Bevölkerungszahl die Anfänge einer staatlichen Organisation, Handwerke und Künste. Die Hauptaufgabe der primitiven Gesellschaft ist aber der K r i e g zur gemeinsamen Abwehr der Feinde oder zur Unterwerfung der Nachbargemeinschaften, zur VergröSerung des Nahrungsspielraums und' Verbesserung der Lebensbedingungen. Der kriegerische Typus gibt dieser primitiven Gesellschaft das Gepräge. Die kriegführenden Männer nehmen den Vorrang ein, ihrerseits unter Führung des Häuptlings, der auch im Frieden der Befehlshaber ist. Sklaven, Frauen und Kinder sind die Beherrschten, die für die Nahrung zu sorgen haben. Auf höherer Stufe gliedert sich der kriegerische