Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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…/2720904-2721047--022-2726407- Visual Library
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9 entweder in der Peripherie und heißen dann Empfindungen oder im Zentrum der Organismen und heißen Emotionen. Legiere sind gewöhnlich aus einfacheren Gefühlen zusammengeseßi. Die Be- Ziehungen zwischen den Gefühlen sind die der Gleichheit oder Ungleichheit, der Gleichzeitigkeit oder Aufeinanderfolge. Die peripherisch erregten Empfindungen, die durch äußere Reize hervorgerufen werden, zeichnen sich durch Klarheit und Bestimmtheit aus und haben scharfe Beziehungen der Koexistenz und Folge, während die durch innere Reize hervorgerufenen Gefühle verschwömmen und unbestimmt sind. In Bewußtseinsabschnitten, wo das beziehliche Element klar hervoriritt, und wo die Empfindungen bestimmt sind, treten Gruppen von Empfindungen selbst in Beziehung zueinander. So vereinigen sich Gesichts-, Gehörs- und Tastempfindungen sowohl mit Empfindüngen der gleichen Art, wie untereinander. Aber neben den lebhaften Empfindungen existieren im Bewußtsein schwache Empfindungen vergangener E r i n n e - rungen. Die lebhaften Empfindungen besißen die Tendenz, sich mit den ihnen ähnlichen vorausgegangenen Empfindungen in Zusammenhang zu seßen. So entstehen Ideen oder Vorstellungen. Audi ganze Gruppen von Empfindungen werden gleichzeitig mit den Erinnerungen an vorausgegangene ähnliche Gruppen ver^ bunden. Ebenso verschmelzen Gruppen von Beziehungen mit Ideen an vergangene Beziehungen. So ist auch das Leben der Seele eine fortschreitende Integrierung der Bewußtseinsinhalte und ihrer Zusammenhänge. Entsprechend der Differenzierung der Sinnesorgane differenziert sich das Bewußtsein zu bestimmten Sphären sinnlicher Wahrnehmung, die ihrerseits immer weitere räumliche und zeitliche Entfernungen überwinden und immer spezieller die Umwelt erfassen. Mit der Differenzierung der Empfindungen nimmt aber auch die Differenzierung der Tätigkeiten zu, mit denen der Organismus auf Grund der Empfindungen sich den Lebensbedingungen anpaßt. Ein höheres Vermögen der Bewegung entspricht seinen reicheren Wahrnehmungen. Auf die einfache Reflextätigkeit, die die Antwort auf einen einfachen Reiz ist, folgt der Instinkt, in dem eine Koordinierung zu komplizierterer Reaktion siatifindet. Bei zunehmender Komplikation des Zusammenhanges, auf den der Organismus zu reagieren hat, ist der Uebergang zu nicht automatisdier Tätigkeit notwendig. Sie wird getragen vom Gedächtnis, das die Beziehungen vergangener Erfahrungen zueinander festhält. Verstand ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen inneren