Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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8 Damit fortwährende Veränderungen in der Struktur der Organismen stattfinden können, müssen fortwährende Veränderungen in den einwirkenden Kräften vor sich gehen. Diese Bedingung finden wir erfüllt: die astronomischen, geologischen und meteorologisdien Veränderungen, die langsam aber unaufhörlich sich abgespielt und in der Verwickeliheii ihrer Kombinationen beständig zugenommen haben, mußten auch fortwährend die Lebensumsiände der Organismen umgestalten, und je zahlreicher die Arten der Organismen und je höher ihre Organisationen geworden sind, desto mehr mußten sie auch gegenseitig ihre Lebensbedingungen abändernd beeinflussen. So mpßten die Individuen in Varietäten, Spezies, Genera und Klassen auseinandergehen. Durch das Ueberleben der gut angepaßten Arten und Vererbung ihrer Struktur, wie Neuanpassung an neue Lebensbedingungen erhält und entwickelt sich das Leben. So wirken direkte und indirekte Anpassung, die Prinzipien Lamarck‘s und Darwin's zusammen zur Steigerung des Lebens. c) Die Seele. So wenig uns das Wesen der Materie erkennbar ist und wir uns begnügen müssen, die lefeten Elemente des Körperlichen als Komponenten der Dinge zu erfassen, können wir das Wesen der Seele begreifen, wenn darunter die Substanz verstanden wird, die Träger aller ihrer Modifikationen ist. Wohl aber können wir auch da zu den Elementen Vordringen, die allen seelischen Prozessen zugrunde liegen, und deren Synthese diese sind, ohne aber die Elemente des Seelischen hinwiederum mit den Elementen des Körperlichen zu identifizieren. Da das Unerkennbare, wie es uns innerhalb der Grenzen des Bewußtseins sich kundgibt, nicht minder unerforschlich ist, als das Unerkennbare, wie es jenseits der Grenze des Bewußtseins dem Körperlichen zugrunde liegt, so kommen wir auch dem Verständnis keinen Schritt näher, wenn wir das Unerkennbare der Kraft mit dem Unerkennbaren des Bewußtseins identifizieren. (W. W. III. S. 169.) Die beiden großen Gebiete der physiologischen und der psychologischen Prozesse unterscheiden sich dadurch, daß die ersteren sowohl gleichzeitige als aufeinanderfolgende Veränderungen, leßtere hingegen nur aufeinanderfolgende, also reihenartig ablaufende Prozesse umfassen. Audi da, wo unser Bewußts!ein scheinbar gleichzeitig mehrere Gegenstände erfaßt, trjeten diese doch nur nacheinander ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Elemente des Bewußtseins sind Gefühle und Be- Ziehungen zwischen Gefühlen. Die Gefühle haben ihren Ursprung