Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
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58 ten der stark verschuldeten Grundherrschaften18®. Die Forderungen des Handels traten in den Vordergrund. Die staatliche Bevormundung der Wirtschaft, sonst eine spezifische Eigenschaft des Merkantilsystems, fand ihren Ausgleich darin, daß man den Handelsherren in Fragen von scheinbar peripherer Bedeutung freie Hand ließ. Dieser Entwicklung entsprechend hatte sich die Auseinandersetzung über die rechtliche. Stellung der Juden in Schlesien nunmehr von der fiskalischen nach der wirtschaftlichen Seite verschoben. Von Recht — auch von verbürgten Rechten — war nicht mehr die Frage. Kaiser Karl, gealtert, ohne Initiative, nur noch passiver Zuhörer ministerieller Beratungen, abhängig von den Einflüssen seiner Ratgeber160, verstand sich zu einer Verleugnung der rechtliehen Bindungen, die er selbst der schlesischen Judenschaft vor genau einem Vierteljahrhundert gewährleistet hatte. Im Sinne des Breslauer Rates und der Kaufmannschaft fiel die schicksalsschwere Entscheidung. Das kaiserliche Dekret vom 14. Juni 1738161, das die Aus- Weisung der gesamten unprivilegierten J udenschaft aus 158 Vgl. Grünhagen, Gesch. Schlesiens, II, S. 423, ferner Tschirschky a. a. 0. S. 34 und R. Ehrenberg, Handelspolitik, Jena 1900, S. 20. 160 Vgl. J. Mailath, Geschichte des östereichischen Kaiserstaates, Hamburg 1848, Bd. IV, S. 536 f. 161 Wolf, Zur Geschichte der Juden in Schlesien a. a. O. S. 195 datiert fälschlich das k. Reskript vom 10. 7. 1738, nach ihm Brann, Gesch. d. L. R., S. 26, Anm. 2. Aus den Berichten der Judenkommission vom 20. 9. und 11. 12. 1783 (Bresl. Staats-A. Rep. 16, F. Bresl. II 8h, f. 49 u. 64) ergibt sich das Datum 14. 6. 1738, ebenso aus dem Reskript Maria Theresias vom 24. 10. 1740, ibd. II 8f, f. 5, wie auch aus einem Schreiben des K. O. A. an den Kaiser vom 5. 8.1740, Bresl. Staats-A. Rep. 13 AA II21 f, f. 406b. Das K. O. A. Patent wegen Abschaffung der Juden aus Schlesien und wegen ״Facilitierung der durch die poln. Juden treibenden poln. Negotii“ erfolgte am 18. 7. 1738, Walther II, S. 203. Die Zwiespältigkeit der Judenpolitik dieser letzten Jahre erhellt aus der Verbindung des Ausweisungsdekretes mit der Fürsorge für die Erhaltung der Handelstätigkeit der polnischen Juden. Zur Förderung dieses Handels diente die — bereits 1727 — der ״wirklich mit ansehentliehen Waren handelnden polnischen Judenschaft“ gewährte vollständige ״Toleranzfreiheit“, s. k. Reskr. 23. 12. 1727. o. a. Curr. 12. 1. 1728, k. Resol. 7. 5. 1728, (Rep. 13 AA II 21 f, f. 84 u, 104 f.); auf diese Befreiung vom Toi.-Imp. berief sich Moyses Fortis, identisch mit Salomon Fortis, — 1733/34 —, ibd. f. 13 u. f. 15—36, vgl. oben Anm. 66, s. auch L. Lewin, Jahrb. d. Jüd.-Lit. Ges. XVI, S. 84.