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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1931-01-01 · 1931 · page 89

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 89)
Language
German
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IRI
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57 eintr^tendem Mit-Fasten-Markt4 ‘ — März 1738 — die Stadt ohne Säumen zu verlassen habe. Vergeblich suchten die unprivilegierten Juden Breslaus . Schutz bei der Landesregierung. Ihr Recht schien evident, ״w eil die Toleranz doch zu dem Ende eingeführet worden, damit die Judenschaft hiesigen Ortes geduldet werde“156. In der Rücksicht des Oberamtes auf den Nutzen des kaiserlichen Aerariums sahen die Vertriebenen ihre letzte Hoffnung. Gründe des Rechts verfingen nicht. Das fiskalische Interesse blieb für das Oberamt dadurch gewahrt, daß ״die Juden nicht aus dem Lande, sondern nur aus der Stadt geschaffet werden“157. Die Bedenkenlosigkeit des obersten Hüters von Recht und Ordnung trat in diesem Bescheid zutage. Denn seit der kaiserlichen Verordnung v. J. 1725 durften Standesherrschaften und Obrigkeiten bei schwerer Strafe keine neue Niederlassung von Juden auf ihrem Gebiete dulden. Aus- Weisung aus Breslau bedeutete demnach für die unprivilegierten schlesischen Juden die Heimatlosigkeit. Einer Appellation der Breslauer Juden an den Kaiser kam der Landeshauptmann zuvor und erwirkte die nachträgliche Zu- Stimmung der Hofkanzlei zu der größtenteils bereits vollzogenen Abschaffung der unprivilegierten Juden aus Breslau158. Der geringe Widerstand, den die Breslauer Kaufmannschaft jetzt seitens des Hofes in ihrem Sonderstreben nach einer Aus- Schaltung der Juden aus dem Konkurrenzkampf begegnete, findet seine Erklärung in dem veränderten Verhältnis des Kaisers zu Schlesien. Unter dem Eindruck einer drohenden Verelendung des Erbherzogtums Schlesien wurden die fiskalischen Rücksichten zeitweilig den wirtschaftlichen gegenüber zurückgestellt. Bei den Plänen zur Verbesserung und Hebung der wirtschaftlichen Lage des Landes wurde weniger auf die Gesamt Wirtschaft, als auf spezielle Gebiete der Industrie und des Handels Rücksicht genommen. Die Regierung erwies den Städten und unter diesen besonders dem Handelszentrum Breslau größeres Interesse als den Nö- 156 S. Petition des Joseph Lazarus, Anm. 154. 157 Das K. 0. A. verschanzte sich hinter einer eigens eingeholten Rechtsauskunft, die dahin lautete, daß der Toleranzpächter ״die Abschaffung der Juden betreffend zu seinem Behuf nichts anführen könne“. Die Toleranzeinnahme erfahre keine Verminderung, da die Ausweisung sich nur auf Breslau erstrecke, (Bresl. Staats-A. Rep. 16, F. Bresl. II 8f, f. 12). 158 Ibd. Rep. 13 AA II 21 f.

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