Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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55 Juden keine Wohnungen zu vermiete« und in keinerlei geschäftliehe Beziehungen zu ihnen zu treten151. In fanatischem Eifer, in der Psychose des Hasses, war der Rat auch dazu bereit, den Grundsätzen des Kommerz-Kollegiums entgegen, durch rücksichtsloses Vorgehen gegen die jüdischen Handelsbevollmächtigten den für Schlesien lebensnotwendigen Osthandel zu gefährden152. Aus Anlaß dieser gegen die ausländischen J uden gerichteten Aktion, die zu Auseinander■^ Setzungen zwischen dem Breslauer Rat und •dem Kommerz- Kollegium führte, wurde die judenfeindliche Bewegung in Breslau zu besonderer Stärke entfacht. Für die Duldung der ausländischen Juden sprachen wohl mehr die vom Kommerz-Kollegium in den Vordergrund gestellten utilitaristischen als rechtliche Gründe. Es zeigte sich dabei, wie sehr das Schicksal der Breslauer und der gesamten schlesischen Judenschaft mit den Geschicken ihrer Brüder verknüpft war. Die Gegnerschaft wandte sich zu diesem Zeitpunkt (17331735־) offen gegen die fremden Juden, war aber nach wie vor im eigentlichen und nicht geringerem Maße gegen die einheimische Judenschaft gerichtet. Das letzte Vierteljahrhundert der Habsburgerherrschaft bestätigt die so oft beobachtete Erscheinung, daß bedeutsame Veränderungen des jüdischen Schicksals sich in kürzesten Zeiträumen ereignen. Vom Toleranzedikt bis zum Jahre 1738 erlebte die schlesische Judenschäft eine vollständige Wandlung ihrer Rechtslage. Von dem angebahnten Fortschritt des Toleranzediktes ging die Judengesetzgebung in Schlesien schnell zu dem Zustand schrankenloser Reaktion über. Angesichts wichtiger scheinbar aussichtsreicher Verhandlungen mit Rußland und Polen gab sich das Kommerz-Kollegium der Hoffnung hin, auf diplomatischem Wege, durch Abschluß von Handelsverträgen mit Rußland und Überwindung der lähmenden polnischen Zollschwierigkeiten den Außenhandel wieder zur Blüte zu bringen153. Dem Problem der jüdischen Mittlerrolle im Osthandel 151 Bresl. Stadt-A. H 48, 2, Beantwort, d. Grav., 1. 4. 1730, ad I; ibd. 17. 4. 1734, ad I. 152 Ibd. u. Bresl. Staats- A. Bep. 16, F. Bresl. II 8h, f. 23 ff., 5. 8. 1733, von Bat und Kaufmannsältesten wird die Bedeutung der jüdischen Handelsbevollmächtigten für die Beförderung des Osthandels bestritten (ibd. f. 27 u. 30), und die sofortige oder wenigstens successive Beseitigung der Schamesse vom K. O. A. gefordert. 152 Die Verhandlungen, die von dem Vertreter des kaiserlichen Hofes (Harttung) in Petersburg im Einvernehmen mit dem Kommerz-Kollegium