Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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41 gründe des wirtschaftlichen Lebens standen, waren es allerdings nur Teile der Kaufmannschaft und die dort bereits in ihrer Bedeutung geschwächten Zünfte, von denen — sporadisch — Angriffe gegen die Juden ausgingen106. Anders aber stand es in Breslau. Von allen Judengegnern Schlesiens blieb die Breslauer Kaufmannschaft am längsten auf dem Plan. Von ihr und von dem durch sie beherrschten Breslauer Rat gingen wiederholte haßerfüllte Beschwerden an das Oberamt und an den Kaiser. Sie richtete in ständig erneuten Vorstößen die erbittertsten Angriffe gegen die gesamte schlesische Judenschaft, wie gegen einzelne Juden, Bevollmächtigte ausländischer Judenschaften oder Vertreter bedeutender jüdischer Finanzkräfte. Die oberen Regierungsinstanzen in Schlesien fanden sich nur allzu oft bereit, den Wünschen der Kaufmannschaft zu entsprechen. Es bedurfte der unablässigen Wachsamkeit der schlesischen Judenschaft, um sich der Angriffe ihrer Widersacher zu erwehren und die kaiserliche Macht zam Schutze ihrer Rechte zu bewegen. Nach dem Toleranzedikt erwachte mit doppelter Stärke die alte Gegnerschaft der Kgl. Stadt Breslau gegen die Juden. Kaufmannschaft und Bürgerschaft, Zünfte und Zechen, befaßten sich in Beratungen und Entschließungen in steigender Intensität mit Klagen und Beschwerden gegen die Breslauer Judenschaft. Immer aufs neue wurden Mittel erwogen, um ihre gänzliche Vertreibung aus Breslau durchzusetzen1 ^7. Die Rechtsstellung der Juden in - 106 Wortführer bei Beschwerden waren die Reihkrämer, deren Zahl schon im Jahre 1710 von 20 auf 8 gesunken war, und die Tuchmacher, die sich, nach Angabe ihrer Zunft, von einigen 100 auf 12 vermindert hatten. (Zu den eigentlichen Ursachen des Rückganges der Tuchmacherzünfte s. Grünhagen, Der materielle Zustand Schlesiens vor der preußischen Besitz• ergreifung, Zeitschr. f. Preuß. Gesch. u. Landesk. 1873, S. 400.) Bemerkenswert ist die Tatsache, daß der Rat von Glogau, der in seinen Maßnahmen völlig von der judenfreundlichen Schloßherrschaft abhängig war, nur ein einziges Mal, durch die christlichen Kaufleute und Gewerke gedrängt, im Jahre 1724 in der Zeit der Hochflut der judenfeindlichen Strömung in Breslau sich zu einer gegen die Juden gerichteten Immediatvorstellung an den Kaiser entschloß. (Berndt a. a. O. S. 58 f.) Wohl bestanden häufige Steuerdifferenzen zwischen dem Magistrat von Glogau und den Juden, die jahrelang das K. O. A. beschäftigten, s. Bresl. Staats-A. Rep. 25, St. Glogau II 13 f, f. 152 ff., 14. 5. 1736. Zu irgendwelchen Forderungen von Rechtsbeschränkung der privilegierten Glogauer Judenschaft ist es seitens des Rates nicht gekommen. 107 Die protokollarischen Berichte der Gravamina der Bürgerschaft und